Polen gewinnt die Schacholympiade für Menschen mit Behinderung
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Editor: Thomas L.
9/18/2026


Polen gewinnt die Schacholympiade für Menschen mit Behinderung
Die dritte FIDE-Schacholympiade für Menschen mit Behinderung ist in Samarkand mit einem polnischen Sieg zu Ende gegangen. Polen setzte sich nach sieben Runden mit 13 Mannschaftspunkten durch und blieb während des gesamten Turniers ungeschlagen. Kuba belegte mit zwölf Punkten den zweiten Platz, während Gastgeber Usbekistan mit seiner ersten Mannschaft und elf Punkten die Bronzemedaille gewann. Insgesamt 41 Mannschaften nahmen an der Veranstaltung teil – so viele wie noch nie zuvor.
Dabei war der Weg zum Olympiasieg für Polen keineswegs von Beginn an vorgezeichnet. Die Mannschaft musste bereits in der ersten Runde einen Punkt abgeben, fand anschließend jedoch schnell in den Wettbewerb und gewann alle sechs folgenden Begegnungen. Besonders wichtig war der Erfolg gegen Kuba in der fünften Runde. Mit einem Sieg im direkten Duell übernahm Polen die Führung und gab diese bis zum Ende nicht mehr ab.
Vor der letzten Runde betrug der Vorsprung auf Kuba lediglich einen Mannschaftspunkt. Gleichzeitig lagen mehrere Teams in unmittelbarer Reichweite der Medaillenplätze. Polen musste gegen die Philippinen antreten, während Kuba gegen Tschechien und Usbekistan gegen Israel spielte. Damit war klar, dass der Kampf um die Podiumsplätze bis zum letzten Spieltag offenbleiben würde.
Polen lässt im Finale nichts anbrennen
Im entscheidenden Durchgang sorgte Polen schließlich für klare Verhältnisse. Gegen die Philippinen gewann die Mannschaft mit 3½:½ und machte damit den Olympiasieg endgültig perfekt. IM Marcin Molenda remisierte am Spitzenbrett gegen Menandro Redor, während Pawel Piekielny, Aleksander Czerwonski und Julia Salamon ihre Partien gewannen.
Für Mannschaftskapitän Marcin Molenda war der Turnierverlauf ein Wechselbad der Gefühle. Nach dem Punktverlust zum Auftakt habe sich die Mannschaft jedoch zusammengerauft und anschließend jede Begegnung gewonnen. Der Erfolg sei deshalb vor allem auch ein Ergebnis der Geschlossenheit innerhalb des Teams.
Auch die Einzelbilanzen der Polen unterstrichen die starke Mannschaftsleistung. Molenda kam auf 5½ Punkte aus sieben Partien, Piekielny erzielte sogar 6½ Punkte. Czerwonski steuerte 5½ Punkte aus sechs Einsätzen bei. Piekielny und Czerwonski wurden zudem für ihre Leistungen an den Brettern mit Einzelmedaillen ausgezeichnet. Piekielny gewann dabei die Wertung am zweiten Brett, Czerwonski war am dritten Brett erfolgreich.
Hinter Polen entwickelte sich der Kampf um Silber und Bronze zu einem spannenden Dreikampf. Kuba ging mit zehn Punkten in die letzte Runde und musste gegen Tschechien antreten. Die Kubaner behielten dabei die Nerven und gewannen mit 2½:1½. Damit erreichte Kuba zwölf Mannschaftspunkte und sicherte sich die Silbermedaille.
Noch enger war die Situation im Kampf um Bronze. Gastgeber Usbekistan 1 traf auf Israel und benötigte einen Erfolg, um sich aus eigener Kraft auf dem Podium zu halten. Auch diese Begegnung endete mit 2½:1½ zugunsten der Gastgeber. Mit elf Punkten sicherte sich Usbekistan damit die Bronzemedaille und sorgte vor heimischem Publikum für einen besonderen Erfolg.
Deutschland beendet Olympiade auf Rang zehn
Auch das deutsche Team gehörte in Samarkand zu den stärkeren Mannschaften des Turniers. Deutschland war als Nummer sechs der Setzliste angetreten und belegte am Ende mit acht Mannschaftspunkten den zehnten Platz. Nach einem erfolgreichen Auftakt konnte die Mannschaft allerdings im weiteren Turnierverlauf nicht dauerhaft an die Spitzengruppe anknüpfen.
Zum deutschen Aufgebot gehörten Artur Kevorkov, David-Andrei Valean, Sergej Salov, Manuela Mekus und Günter Michalke. Betreut wurde das Team von Trainer und Mannschaftskapitän Vinzent Spitzl. Deutschland beendete das Turnier mit drei Siegen, zwei Unentschieden und zwei Niederlagen.
Für David-Andrei Valean war die Veranstaltung dabei auch persönlich von besonderer Bedeutung. Der 17-Jährige war der jüngste Spieler im deutschen Aufgebot und gehört zu einer neuen Generation von Spielern mit Behinderung, die zunehmend auf internationalen Schachbühnen präsent ist.
Ein wichtiger Schritt für die Inklusion im Schach
Die dritte Auflage der Olympiade hatte jedoch nicht nur aus sportlicher Sicht eine besondere Bedeutung. Erstmals wurde die Schacholympiade für Menschen mit Behinderung zeitgleich und am selben Ort wie die reguläre FIDE-Schacholympiade ausgetragen. Während in Samarkand die besten Nationalmannschaften der Welt um den Titel kämpften, erhielten auch die Teilnehmer der Behindertenolympiade die Möglichkeit, Teil dieses großen Schachereignisses zu sein.
Für die Spieler bedeutete dies eine deutlich größere öffentliche Aufmerksamkeit und zugleich die unmittelbare Begegnung mit zahlreichen Spitzenspielern der internationalen Schachszene. Auch Molenda hob die Bedeutung dieser gemeinsamen Austragung hervor. In der Vergangenheit seien die Veranstaltungen voneinander getrennt gewesen. Nun gemeinsam mit Weltmeistern, Großmeistern und den Mannschaften der regulären Olympiade an einem Ort zu sein, sei für die Teilnehmer besonders wertvoll.
Insgesamt 41 Mannschaften aus verschiedenen Teilen der Welt gingen in Samarkand an den Start. Gespielt wurden sieben Runden im Schweizer System. Die große Teilnehmerzahl stellte einen neuen Rekord für die Veranstaltung dar und zeigte zugleich, wie stark das Interesse am Schach für Menschen mit Behinderung in den vergangenen Jahren gewachsen ist.
Auch die Abschlussveranstaltung machte deutlich, dass die Olympiade mehr sein sollte als ein reiner Mannschaftswettbewerb. Neben den Medaillen für die drei besten Teams wurden auch Einzel- und Sonderpreise vergeben. FIDE-Interimspräsident Viswanathan Anand gratulierte den Teilnehmern und würdigte den Einsatz der Spieler, Organisatoren, Schiedsrichter, Helfer und Freiwilligen.
Mit der Siegerehrung in Samarkand endete damit eine Veranstaltung, die sportlichen Wettbewerb und Inklusion miteinander verbunden hat. Der Blick richtet sich nun bereits auf die nächste Ausgabe. 2028 wird Abu Dhabi Gastgeber der vierten FIDE-Schacholympiade für Menschen mit Behinderung sein – erneut gemeinsam mit der regulären Schacholympiade. Polen wird dort als Titelverteidiger antreten, während Kuba und Usbekistan nach ihren Medaillengewinnen von Samarkand ebenfalls mit großen Ambitionen anreisen dürften.
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