Salesforce wird Titelsponsor der FIDE-Weltmeisterschaften

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Editor: Toni G.

9/12/2026

Salesforce wird Titelsponsor der FIDE-Weltmeisterschaften

Die FIDE geht eine mehrjährige Partnerschaft mit dem US-Technologiekonzern Salesforce ein. Das Unternehmen wird nicht nur Titelsponsor der kommenden Weltmeisterschaften, sondern zugleich offizieller Technologie- und KI-Partner der FIDE. Im Mittelpunkt der Zusammenarbeit steht der Einsatz von künstlicher Intelligenz, Datenanalyse und digitalen Plattformen, mit denen der Weltschachverband seine Abläufe modernisieren und das Erlebnis für Spieler und Fans verbessern will.

Die Vereinbarung wurde am 10. September 2026 bekanntgegeben und umfasst die Weltmeisterschaftskämpfe 2026 und 2028 sowie die Frauen-Weltmeisterschaft 2027. Auch das weltweite FIDE-Rankingsystem ist Teil der Partnerschaft. Entsprechend sollen die großen Titelkämpfe künftig als „Salesforce FIDE World Chess Championships“ vermarktet werden, während die Weltrangliste unter dem Namen „Salesforce FIDE Rankings“ auftreten wird.

Salesforce bringt dabei seine komplette Plattform Agentforce 360 ein. Dahinter steht ein umfangreiches System aus künstlicher Intelligenz, Datenmanagement und Kommunikationstools. Ziel ist es, die verschiedenen Bereiche der FIDE auf einer gemeinsamen technischen Plattform zusammenzuführen. Auch Slack, das zu Salesforce gehört, soll dabei eine wichtige Rolle spielen und die Zusammenarbeit zwischen den Mitarbeitern, Kommissionen und nationalen Verbänden erleichtern.

Besonders sichtbar soll die neue Technologie für Schachfans werden. Geplant ist unter anderem ein sogenannter Chess Concierge Agent. Dieser KI-Assistent soll Besuchern Fragen zu Spielern, Wertungszahlen, Schachregeln und laufenden Turnieren beantworten können. Die FIDE geht dabei von rund 1,2 Millionen monatlichen Besuchern ihrer digitalen Angebote aus. Der Assistent soll in verschiedenen Sprachen zur Verfügung stehen und damit einen direkten Zugang zu Informationen rund um das internationale Schach ermöglichen.

Auch hinter den Kulissen soll künstliche Intelligenz stärker eingesetzt werden. Ein Beispiel dafür ist das bereits angekündigte Konzept „Move of the Day“. Dabei analysiert das System Partien aus Spitzenturnieren und stellt interessante Züge zusammen. Die Auswahl wird anschließend einem FIDE-Expertengremium zur endgültigen Entscheidung vorgelegt. Damit soll die automatisierte Datenanalyse nicht den Menschen ersetzen, sondern ihn bei der Aufbereitung großer Mengen an Schachdaten unterstützen.

Eine besonders wichtige Rolle spielt das FIDE-Rating. Die Weltrangliste ist eines der zentralen Instrumente des internationalen Schachs, gleichzeitig müssen gewaltige Mengen an Ergebnissen aus Turnieren und Verbänden verarbeitet werden. Mit dem neuen System soll dieser Prozess deutlich stärker automatisiert werden. Ein eigener ELO Player Rating Agent soll künftig Informationen über einzelne Spieler liefern, darunter aktuelle Wertungszahlen, historische Entwicklungen, Ergebnisse und statistische Prognosen. Die FIDE will damit ihre Rating-Daten aus 204 Mitgliedsverbänden nahezu in Echtzeit verarbeiten können.

Die technische Grundlage bildet unter anderem Salesforce Data 360. Dort sollen Spielerdaten und Informationen aus jährlich mehr als 60.000 Turnieren zusammengeführt werden. Dadurch entsteht eine zentrale Datenbasis, die sowohl für die FIDE selbst als auch für Spieler und Fans genutzt werden kann. Die Vision geht damit deutlich über eine klassische Turnierdatenbank hinaus: Das internationale Schach soll stärker als vernetztes digitales Ökosystem funktionieren.

Für die FIDE ist die Partnerschaft auch wirtschaftlich von Bedeutung. Mit den Weltmeisterschaften 2026 und 2028 sowie dem Frauen-WM-Zyklus 2027 übernimmt Salesforce eine prominente Rolle bei den wichtigsten Veranstaltungen des Verbandes. FIDE-CEO Emil Sutovsky bezeichnete die Vereinbarung als wegweisend und betonte insbesondere die Möglichkeiten, die sich bei der Kommunikation mit Verbänden, Spielern und Fans ergeben. Auch FIDE-Interimspräsident Viswanathan Anand sieht in der Zusammenarbeit ein Signal dafür, dass Schach stärker mit moderner Technologie verbunden werden soll.

Damit setzt die FIDE ihre Digitalisierungsstrategie fort. Der Schachweltverband betreut nach eigenen Angaben 204 nationale Mitgliedsverbände, rund 1,5 Millionen gewertete Spieler und zehntausende gewertete Turniere in 195 Ländern. Die Menge an Daten, die dabei täglich entsteht, ist entsprechend enorm. Salesforce soll helfen, diese Informationen schneller nutzbar zu machen und gleichzeitig neue digitale Angebote für die weltweit mehrere hundert Millionen Schachinteressierten zu entwickeln.

Die Partnerschaft fällt zudem in eine Phase, in der die großen Schachveranstaltungen zunehmend versuchen, über das eigentliche Brett hinauszugehen. Livestreams, Datenbanken, Live-Rankings, Statistiken und soziale Medien sind längst fester Bestandteil der Schachübertragung. Mit künstlicher Intelligenz kommt nun eine weitere Ebene hinzu. Die FIDE will diese Entwicklung nicht nur begleiten, sondern ihre eigene Infrastruktur zu einem zentralen Bestandteil dieses Wandels machen.

Für die Zuschauer dürfte entscheidend sein, wie sichtbar die neue Technologie tatsächlich wird. Während die Titelkämpfe weiterhin am Brett entschieden werden, könnte sich das Umfeld der Partien deutlich verändern. Schnellere Informationen, personalisierte Inhalte, intelligente Suchfunktionen und detailliertere Auswertungen könnten künftig zum Standard gehören. Salesforce liefert dafür die technische Infrastruktur – die FIDE will daraus ein neues digitales Schacherlebnis entwickeln.

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