Schacholympiade in Samarkand: Usbekistan greift nach Gold
NEWS
Editor: Aditja P.
9/27/2026


Schacholympiade in Samarkand: Usbekistan greift nach Gold
Die 46. Schacholympiade in Samarkand steuert auf einen dramatischen Schlusstag zu. Nach der zehnten Runde liegt Gastgeber Usbekistan im Open weiterhin an der Spitze und hat seine Ausgangsposition im Kampf um die Goldmedaille deutlich verbessert. Mit einem überzeugenden 3,5:0,5 gegen Armenien gelang dem Team ein wichtiger Sieg. Indien gewann ebenfalls mit 3,5:0,5 gegen die zweite Mannschaft Usbekistans, liegt aber weiterhin einen Mannschaftspunkt zurück. Dahinter kämpfen unter anderem Deutschland, Ungarn und die Ukraine um die verbleibenden Medaillen.
Die Entscheidung fällt damit erst in der elften und letzten Runde. Für Usbekistan geht es um den möglichen Olympiasieg im eigenen Land, während mehrere Mannschaften noch Chancen auf einen Platz auf dem Podium haben. Auch im Frauenwettbewerb ist die Ausgangslage spannend: China führt weiterhin, doch Kasachstan hat den Rückstand auf nur einen Mannschaftspunkt verkürzt.
Usbekistan macht den entscheidenden Schritt
Im wichtigsten Match des Tages traf Gastgeber Usbekistan auf Armenien. Beide Mannschaften gehören traditionell zur Weltspitze, doch diesmal entwickelte sich die Begegnung schnell zugunsten der Gastgeber.
Javokhir Sindarov brachte Usbekistan zunächst in Führung. Gegen Robert Hovhannisyan überraschte er seinen Gegner mit einer vorbereiteten Variante, in der ein spektakuläres Qualitätsopfer eine zentrale Rolle spielte. Sindarov erhielt dafür die Initiative und konnte die Partie schließlich für sich entscheiden.
Kurz darauf erhöhte Mukhiddin Madaminov am vierten Brett gegen Gabriel Sargissian. Der zweite von Sindarov während des Kandidatenturniers zeigte dabei ebenfalls taktische Stärke und sorgte für den zweiten vollen Punkt der Gastgeber.
Die Entscheidung fiel schließlich an Brett eins. Nodirbek Abdusattorov setzte sich in einem langen Endspiel gegen seinen armenischen Gegner durch und machte den 3,5:0,5-Erfolg perfekt. Abdusattorov spielt bislang ein herausragendes Turnier und ist nach zehn Runden weiterhin ungeschlagen. Mit acht Punkten gehört er zu den erfolgreichsten Spielern der gesamten Olympiade.
Für Usbekistan bedeutet der Erfolg, dass die Mannschaft mit einem Vorsprung in die letzte Runde geht. Zusätzlich verfügt der Gastgeber über einen deutlichen Vorteil bei der Feinwertung. Der Weg zur Goldmedaille ist damit frei, entschieden ist die Olympiade allerdings noch nicht.
Indien bleibt dran
Indien hat seine Titelambitionen ebenfalls eindrucksvoll unterstrichen. Gegen die zweite Mannschaft Usbekistans setzte sich der Favorit mit 3,5:0,5 durch und bleibt damit der wichtigste Verfolger des Gastgebers.
Nihal Sarin sorgte am dritten Brett für die erste Führung. Mit den schwarzen Steinen nahm er zwei geopferte Bauern seines Gegners an, musste anschließend jedoch lange präzise verteidigen. Schließlich gelang es ihm, die Partie zu stabilisieren und den Materialvorteil in einen Sieg umzuwandeln.
Nach einem Remis an Brett zwei fiel die Entscheidung bei Weltmeister Gukesh D. In einem taktisch geprägten Endspiel setzte sich Gukesh gegen Ortik Nigmatov durch und sicherte Indien damit den Mannschaftssieg. Praggnanandhaa legte anschließend am ersten Brett noch einen weiteren Sieg nach.
Damit liegt Indien vor der letzten Runde einen Mannschaftspunkt hinter Usbekistan. Gleichzeitig besitzt der Gastgeber einen Vorsprung von rund 30 Punkten in der Feinwertung. Für Indien bedeutet das: Ein eigener Sieg ist notwendig, doch gleichzeitig muss Usbekistan noch Punkte liegen lassen, wenn Indien den Olympiasieg erreichen will.
Ukraine sorgt für Überraschung gegen China
Eine der wichtigsten Überraschungen des zehnten Spieltags gelang der Ukraine. Gegen China, das vor der Runde noch eine hervorragende Ausgangslage im Medaillenkampf besaß, setzte sich die Ukraine durch und hielt damit ihre eigenen Medaillenhoffnungen am Leben.
Igor Kovalenko brachte die Ukraine am Spitzenbrett gegen den früheren Weltmeister Ding Liren in Führung. Die Partie war lange von einem positionellen Manövrieren geprägt. Beide Spieler suchten über viele Züge nach einer Möglichkeit, die Stellung zu verbessern.
Dann unterlief Ding ein schwerer Fehler. Mit 44...Re6? erlaubte er seinem Gegner eine taktische Kombination mit Ne3. Kovalenko gewann dadurch die Qualität und verwertete seinen Vorteil.
An den Brettern zwei und drei endeten die Partien remis. Damit musste die Entscheidung an Brett vier fallen. Dort gewann der amtierende Europameister Roman Dehtiarov gegen den jungen Xiangrui Kong und machte den ukrainischen Erfolg perfekt.
Die Ukraine hat damit vor der letzten Runde weiterhin die Möglichkeit, eine Medaille zu gewinnen. Nach drei Siegen in Folge hat sich die Mannschaft von einer zunächst schwierigen Ausgangslage zurück in den Kampf um die vorderen Plätze gespielt.
Deutschland und Ungarn bleiben im Rennen
Auch Deutschland konnte seine Medaillenambitionen am vorletzten Spieltag aufrechterhalten. Gegen Frankreich gewann die deutsche Mannschaft mit 3:1. Damit bleibt das Team vor der Schlussrunde in Reichweite der Medaillen.
Ebenfalls 3:1 gewann Ungarn gegen Spanien. Beide Mannschaften gehen somit mit Chancen auf einen Podestplatz in die letzte Runde.
Für die Mannschaften hinter Usbekistan und Indien wird die elfte Runde deshalb besonders wichtig. Mehrere Teams liegen eng beieinander, und ein klarer Sieg kann in der Endabrechnung den Unterschied zwischen einer Medaille und einem Platz außerhalb des Podiums ausmachen.
China führt bei den Frauen
Im Frauenwettbewerb bleibt China Tabellenführer. Im Spitzenduell gegen Indien gab es ein 2:2. Beide Mannschaften teilten die Punkte auf den oberen und unteren Brettern auf.
Für Aufsehen sorgte dabei Lu Miaoyi. Die Chinesin besiegte Vantika Agrawal und blieb damit auch nach zehn Runden ungeschlagen. Sie steht inzwischen bei 8,5 Punkten und gehört damit zu den erfolgreichsten Einzelspielerinnen des Turniers.
Auf der anderen Seite überzeugte Savitha Shri erneut. Sie gewann gegen Zhai Mo und kommt nun auf bemerkenswerte 8,5 Punkte aus neun Partien. Damit hat sie bislang eine der stärksten individuellen Leistungen der Frauenolympiade gezeigt.
Durch das Unentschieden gegen Indien konnte China die Tabellenführung behaupten. Der Vorsprung auf Kasachstan ist allerdings auf nur einen Mannschaftspunkt geschrumpft.
Kasachstan verkürzt den Rückstand
Kasachstan nutzte die Gelegenheit und gewann gegen Frankreich mit 2,5:1,5. Die Begegnung entwickelte sich zu einem dramatischen Kampf, der erst nach einer späten Wendung entschieden wurde.
Besonders kurios war die Partie zwischen Pauline Guichard und Elnaz Kaliakhmet. Guichard hatte bereits lange Zeit einen klaren Vorteil und stand unmittelbar vor der technischen Verwertung. Statt mit einem einfachen Turmzug fortzusetzen, spielte sie jedoch 89.Kb4?? und stellte damit ihren gesamten Turm ein.
Damit war die Partie plötzlich völlig verändert. Selbst nach dem Verlust des Turms hätte es theoretische Möglichkeiten gegeben, die Stellung zu halten, doch ein weiterer Fehler von Guichard besiegelte schließlich die Niederlage. Kasachstan gewann dadurch den Mannschaftskampf und verkürzte den Rückstand auf China auf einen Punkt.
Polen, Vietnam und die USA hoffen
Auch hinter China und Kasachstan bleibt die Situation offen. Polen besiegte die Mongolei mit 3:1 und fügte dem bisherigen Überraschungsteam damit einen empfindlichen Rückschlag zu. Aleksandra Maltsevskaya und Alicja Sliwicka gewannen ihre Partien mit den weißen Steinen.
Vietnam setzt seinen starken Schlussspurt fort. Nach dem 2,5:1,5 gegen Indonesien hat die Mannschaft inzwischen vier Begegnungen in Folge gewonnen. Damit besitzt Vietnam zumindest noch eine Außenseiterchance auf eine Medaille, die allerdings einen weiteren Sieg in der letzten Runde voraussetzt.
Die USA konnten ebenfalls Boden gutmachen. Gegen Israel gelang ein 4:0-Erfolg. Für die Amerikaner kommt dieser Erfolg allerdings spät im Turnier, sodass sie in der letzten Runde erneut gewinnen müssen, wenn sie noch in den Medaillenkampf eingreifen wollen.
Bodhana Sivanandan schreibt Geschichte
Neben dem Kampf um die Mannschaftsmedaillen bringt die Olympiade auch bemerkenswerte individuelle Leistungen hervor. Eine davon gelang der erst elfjährigen Engländerin Bodhana Sivanandan.
Sivanandan erfüllte in Samarkand ihre dritte und letzte erforderliche WGM-Norm. Damit hat sie die Voraussetzungen für den Titel der Woman Grandmaster erfüllt und wird nach Angaben der FIDE zur jüngsten Spielerin, die jemals sämtliche Anforderungen für diesen Titel erfüllt hat.
Die Engländerin ist zugleich die jüngste britische Meisterin der Schachgeschichte. Die Olympiade ist damit nicht nur für die Mannschaften an der Spitze ein besonderes Ereignis, sondern auch eine Bühne für junge Talente, die auf internationaler Ebene ihre ersten großen Erfolge feiern.
Alles entscheidet sich in der letzten Runde
Vor dem letzten Spieltag könnte die Spannung kaum größer sein. Im Open hat Usbekistan die beste Ausgangslage und geht mit einem Mannschaftspunkt Vorsprung auf Indien in die Schlussrunde. Deutschland, Ungarn und die Ukraine kämpfen dahinter um die Medaillen.
Bei den Frauen führt China, doch Kasachstan ist nur einen Mannschaftspunkt entfernt. Auch Polen, Vietnam und die USA hoffen noch auf eine Platzierung ganz vorne.
Nach zehn Runden sind damit zahlreiche Entscheidungen vertagt. Die Gastgeber aus Usbekistan haben im Open den großen Schritt Richtung Gold gemacht, doch der Titel ist noch nicht vergeben. Indien wartet auf einen Ausrutscher des Tabellenführers, während mehrere Mannschaften dahinter auf die letzte Chance hoffen.
Am Sonntag fällt in Samarkand schließlich die Entscheidung. Dann werden nach zehn Tagen Schach die letzten Partien gespielt, die letzten Medaillen vergeben und die neuen Olympiasieger gekrönt.
Du hast Fragen oder Verbesserungsvorschläge? Melde dich gerne bei uns: kontakt[at]one-square.de
Kontakt
one-square.de
kontakt[at]one-square.de
© 2026 All rights reserved.
