Schacholympiade in Samarkand: Usbekistan allein an der Spitze – Deutschland verliert erstmals
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Editor: Toni G.
9/22/2026


Schacholympiade in Samarkand: Usbekistan allein an der Spitze – Deutschland verliert erstmals
Gastgeber Usbekistan hat bei der Schacholympiade in Samarkand die alleinige Führung übernommen. In der sechsten Runde besiegte das Team den Titelverteidiger Indien mit 2,5:1,5. Deutschland musste sich China ebenfalls mit 1:3 geschlagen geben und fiel damit aus dem Führungstrio. China und Armenien liegen nun punktgleich auf dem zweiten Platz.
Bei der Schacholympiade 2026 in Samarkand ist nach sechs Runden erstmals eine Mannschaft allein an der Spitze. Usbekistan setzte sich im Spitzenduell gegen Indien mit 2,5:1,5 durch und weist als einziges Team noch eine perfekte Bilanz von sechs Siegen auf. Die Gastgeber kommen damit auf zwölf von zwölf möglichen Mannschaftspunkten.
Hinter Usbekistan liegen China und Armenien mit jeweils elf Punkten. Beide Mannschaften haben ebenfalls noch keinen Mannschaftskampf verloren. Deutschland gehört dagegen nach der ersten Niederlage des Turniers nun zu einer großen Verfolgergruppe mit zehn Punkten.
Usbekistan bezwingt den Titelverteidiger
Das Duell zwischen Usbekistan und Indien war eines der meistbeachteten Matches der sechsten Runde. Beide Mannschaften waren bis dahin ohne Punktverlust geblieben und hatten bei den vergangenen Olympiaden jeweils für Schlagzeilen gesorgt. Usbekistan gewann 2022 in Chennai Gold, Indien entschied die beiden folgenden Olympiaden für sich.
Lange Zeit war der Mannschaftskampf ausgeglichen. Drei der vier Partien endeten remis. Am Spitzenbrett trennten sich Nodirbek Abdusattorov und Praggnanandhaa Rameshbabu unentschieden. Auch an den anderen Brettern blieb zunächst alles offen.
Die Entscheidung fiel schließlich zwischen Nodirbek Yakubboev und Nihal Sarin. Der Usbeke hatte zeitweise selbst Schwierigkeiten und musste eine sehr gute Stellung seines indischen Gegners überstehen. Nihal übernahm anschließend sogar die Initiative, konnte seinen Vorteil jedoch nicht festhalten.
Mit 36...Kxg5? und wenig später 37...Sf5? erlaubte der Inder seinem Gegner eine taktische Wende. Besonders stark war Yakubboevs Antwort 38.Se6+. Nach 38...Txe6 39.gxh4+ gewann Weiß entscheidendes Material. Yakubboev hatte nun Dame gegen Turm und Läufer und verwertete seinen Vorteil sicher.
Für Yakubboev war es bereits der 4,5. Punkt aus fünf Partien. Damit ist er derzeit der erfolgreichste Einzelspieler der usbekischen Mannschaft.
Deutschland unterliegt China
Nach dem überraschenden Sieg gegen die USA in der fünften Runde musste Deutschland diesmal gegen China antreten. Das Team um Vincent Keymer und Alexander Donchenko unterlag dem Favoriten mit 1:3.
Für den entscheidenden chinesischen Punkt sorgte der frühere Weltmeister Ding Liren. Er setzte sich gegen Vincent Keymer durch. Aus einer zunächst ausgeglichenen Stellung entwickelte sich ein Endspiel mit Türmen und Läufern unterschiedlicher Farbe. Ding erhöhte den Druck Schritt für Schritt und zwang Keymer schließlich zur Aufgabe.
Keymer hätte die Stellung nach Einschätzung des Berichts mit 34...Th7 noch halten können. Stattdessen erwies sich 34...Tb7?! als zu passiv. Ding nutzte die Gelegenheit, verbesserte seine Figuren und bereitete mit 40.f5 den entscheidenden Durchbruch vor. Nach 40...Ld7 41.h5 war die Stellung für den Deutschen kaum noch zu verteidigen.
Auch am zweiten Brett musste Deutschland eine Niederlage hinnehmen. Xu Xiangyu setzte sich gegen Alexander Donchenko durch. Sein Vorteil entstand vor allem durch das starke Läuferpaar, das sich nach mehreren Abtäuschen gegenüber Donchenkos Springern immer besser entfaltete.
Damit verlor Deutschland erstmals bei dieser Olympiade. Nach fünf Siegen in Folge steht die Mannschaft weiterhin bei zehn Mannschaftspunkten und ist Teil einer großen Verfolgergruppe.
China und Armenien bleiben ungeschlagen
China nutzte den Sieg gegen Deutschland, um in der Tabelle auf den zweiten Platz vorzurücken. Mit fünf Siegen und einem Unentschieden kommt die Mannschaft auf elf Punkte.
Auch Armenien steht bei elf Punkten. Gegen Iran setzte sich das Team mit 2,5:1,5 durch. Gabriel Sargissian holte dabei den einzigen Sieg für Armenien. Der Großmeister bezwang Reza Mahdavi mit den schwarzen Steinen und erhöhte sein persönliches Ergebnis auf 4,5 Punkte aus fünf Partien.
Damit gehören Usbekistan, China und Armenien zu den drei Mannschaften, die nach sechs Runden noch keine einzige Partie verloren haben. Auch auf den einzelnen Brettern ist das Trio bislang ohne Niederlage.
Große Verfolgergruppe
Hinter den drei führenden Mannschaften ist das Feld dicht zusammengerückt. Insgesamt elf Teams stehen bei zehn Mannschaftspunkten. Dazu gehören neben Deutschland auch Indien, Frankreich, die Niederlande, die Türkei, Griechenland, England, Bulgarien, Aserbaidschan, die USA und die zweite Mannschaft Usbekistans.
Für einige der favorisierten Mannschaften war die sechste Runde damit eine Gelegenheit, den Anschluss an die Spitze zu halten. Die USA schlugen Norwegen, wobei Hans Moke Niemann den entscheidenden Punkt holte. Aserbaidschan bezwang Argentinien, während sich England und Frankreich in einem umkämpften Mannschaftskampf mit einem Unentschieden trennten.
Die Türkei und Griechenland kamen ebenfalls zu Siegen. Bulgarien sorgte gegen die Ukraine für eine Überraschung und auch Usbekistan 2 schob sich durch einen Sieg gegen Spanien in die Gruppe mit zehn Punkten.
Erdogmus sorgt weiter für Aufsehen
Einer der auffälligsten Einzelspieler des Turniers ist weiterhin Yagiz Kaan Erdogmus. Der erst 15-jährige Türke kommt nach fünf Partien auf 4,5 Punkte und weist eine beeindruckende Turnierleistung von rund 2924 Elo auf.
In der sechsten Runde bezwang Erdogmus den Schweizer Sebastian Bogner. Dabei musste der junge Großmeister zunächst eine schwierige Stellung verteidigen. Bogner hätte seinen Vorteil mit 51...Sxe4 bewahren können, entschied sich jedoch für 51...Db7??.
Erdogmus reagierte sofort und fand trotz weniger als einer Minute auf der Uhr die entscheidende Kombination mit 52.Th8. Die weißen Figuren drangen anschließend auf der schwarzen Königsseite ein, und nach 56.Dxh7 war die Partie entschieden.
Streit um das Israel-Spiel
Für Diskussionen sorgte außerdem der Mannschaftskampf zwischen den Niederlanden und Israel. Die Niederlande wurden mit 4:0 zum Sieger erklärt, nachdem Israel aufgrund des jüdischen Feiertags Jom Kippur an keinem der vier Bretter antrat.
Der israelische Verband hatte vorgeschlagen, die Begegnung entweder am späten Montagabend oder am spielfreien Dienstag nachzuholen. Die Niederlande lehnten diese Möglichkeiten ab. Anschließend wurden die Partien kampflos zugunsten der Niederlande gewertet.
Der israelische Verband veröffentlichte später ein Schreiben der FIDE, in dem bestätigt wurde, dass über Anpassungen des Spielplans gesprochen worden war. Israel kündigte an, die Angelegenheit weiter zu prüfen.
Usbekistan geht als Spitzenreiter in den Ruhetag
Nach sechs Runden führt damit Usbekistan mit zwölf Mannschaftspunkten vor China und Armenien mit jeweils elf Punkten. Dahinter folgt eine große Gruppe von Mannschaften mit zehn Punkten.
Deutschland liegt nach der Niederlage gegen China auf Rang neun und damit weiterhin in Schlagdistanz zur Spitze. Allerdings hat sich der Kreis der Mannschaften, die um die Medaillen kämpfen, deutlich vergrößert.
Für die Spieler steht nun zunächst der Ruhetag auf dem Programm. An der Tabellenspitze hat sich Usbekistan mit dem Sieg gegen Indien einen kleinen Vorsprung verschafft. Doch bei noch fünf ausstehenden Runden ist die Entscheidung völlig offen. Gerade die große Verfolgergruppe verspricht für die kommenden Runden weitere direkte Duelle um die Spitzenplätze.
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