Wesley So und Bibisara Assaubayeva behaupten die Führung nach Runde 8

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Editor: Leyla K.

6/3/2026

Wesley So und Bibisara Assaubayeva behaupten die Führung nach Runde 8

Mit nur noch zwei ausstehenden Spieltagen spitzt sich der Kampf um den Turniersieg bei Norway Chess 2026 weiter zu. Die achte Runde brachte sowohl im Open-Turnier als auch im Frauenwettbewerb wichtige Weichenstellungen. Während Wesley So seine Spitzenposition verteidigte, konnten Alireza Firouzja und Praggnanandhaa den Abstand zur Spitze verkürzen. Im Frauenturnier baute Bibisara Assaubayeva ihren Vorsprung sogar weiter aus und steht nun kurz davor, einen der größten Erfolge ihrer Karriere zu feiern.

Open: So bleibt vorn, doch die Verfolger bleiben gefährlich

Der Tabellenführer Wesley So musste in Runde acht gegen Vincent Keymer antreten. Die klassische Partie verlief über weite Strecken ausgeglichen. Beide Spieler fanden in einer positionell geprägten Begegnung keine realistischen Gewinnchancen und einigten sich schließlich auf Remis. Im anschließenden Armageddon zeigte So jedoch erneut seine enorme Stärke in Schnellschachformaten. Der US-Amerikaner gewann die Entscheidungspartie und sicherte sich damit die wichtigen Zusatzpunkte, die ihn weiterhin an der Tabellenspitze halten.

Keymer zeigte dabei erneut eine solide Leistung, muss sich jedoch vorwerfen lassen, aus mehreren guten Stellungen des Turniers bislang zu wenig Zählbares gemacht zu haben. Der Deutsche spielt insgesamt ein respektables Turnier, doch gerade in den entscheidenden Momenten fehlte bislang häufig die letzte Konsequenz.

Noch wichtiger für den Turnierverlauf war die Begegnung zwischen Alireza Firouzja und Weltmeister Gukesh Dommaraju. Firouzja gewann die klassische Partie und verkürzte den Rückstand auf Wesley So auf nur einen Punkt. In einem komplizierten Endspiel bewies der Franzose erneut seine derzeit ausgezeichnete Form. Nach seinem Sieg gegen Magnus Carlsen in der ersten Runde gehört Firouzja zu den konstantesten Spielern des Turniers und bleibt der wohl gefährlichste Verfolger des Spitzenreiters.

Für Gukesh setzt sich dagegen ein schwieriges Turnier fort. Zwar zeigte der Weltmeister immer wieder starke Ansätze und konnte einzelne Armageddon-Partien gewinnen, doch in den klassischen Begegnungen fehlte bislang die Konstanz. Vor allem die Niederlagen gegen Carlsen und nun gegen Firouzja haben ihn im Kampf um die Spitzenplätze zurückgeworfen.

Die vielleicht größte Überraschung der Runde lieferte jedoch Rameshbabu Praggnanandhaa. Der Inder besiegte mit den schwarzen Steinen Magnus Carlsen und fügte dem Norweger bereits die zweite Niederlage gegen denselben Gegner innerhalb weniger Tage zu. Lange war die Partie ausgeglichen, doch in der Zeitnotphase unterliefen Carlsen mehrere Ungenauigkeiten. Praggnanandhaa nutzte die Gelegenheit konsequent und verwandelte seinen Vorteil souverän. Mit diesem Sieg bleibt er mitten im Rennen um den Turniersieg.

Für Carlsen entwickelt sich das Heimturnier dagegen zunehmend zu einer Enttäuschung. Nach acht Runden rangiert der Weltranglistenerste nur im hinteren Tabellenbereich und benötigt in den verbleibenden Runden nahezu perfekte Ergebnisse, um noch in den Kampf um Platz eins eingreifen zu können.

Nach Runde acht führt Wesley So mit 14 Punkten vor Firouzja mit 13 Punkten und Praggnanandhaa mit 12 Punkten. Die Entscheidung dürfte damit erst in den letzten beiden Runden fallen.

Women: Assaubayeva auf Titelkurs

Im Frauenturnier festigte Bibisara Assaubayeva ihre Spitzenposition eindrucksvoll. Gegen Divya Deshmukh geriet die Kasachin zunächst unter Druck, verteidigte sich jedoch zäh und profitierte schließlich von Zeitproblemen ihrer Gegnerin. Mit den schwarzen Steinen gewann Assaubayeva die klassische Partie und baute ihren Vorsprung an der Spitze weiter aus.

Die 21-Jährige spielt bislang das Turnier ihres Lebens. Besonders beeindruckend ist ihre Vielseitigkeit: Sie punktet sowohl in klassischen Partien als auch in den Armageddon-Entscheidungen und wirkt aktuell psychologisch äußerst stabil.

Von Assaubayevas Erfolg profitierte auch Anna Muzychuk. Ihre klassische Partie gegen Koneru Humpy endete zwar remis, doch im anschließenden Armageddon setzte sich Humpy dank der Schwarz-Regel durch und erhielt den Extrapunkt. Trotzdem bleibt Muzychuk als Zweitplatzierte die erste Verfolgerin der Führenden.

Die dritte Partie des Tages brachte einen wichtigen Sieg für Zhu Jiner. Gegen Frauenweltmeisterin Ju Wenjun gewann die Chinesin eine lange Endspielpartie und schloss damit zu Divya Deshmukh auf. Beide Spielerinnen liegen nun mit zehn Punkten gleichauf.

Für Ju Wenjun verläuft das Turnier weiterhin enttäuschend. Die Weltmeisterin konnte ihre Klasse zwar in einzelnen Partien aufblitzen lassen, fand jedoch nie zu der Konstanz, die man von ihr gewohnt ist. Besonders die zahlreichen verlorenen Armageddon-Partien kosteten sie viele wertvolle Punkte.

Spannung vor den letzten beiden Runden

Vor den abschließenden Spieltagen bleibt die Ausgangslage in beiden Turnieren offen. Wesley So besitzt zwar weiterhin die besten Karten im Open, doch Firouzja und Praggnanandhaa haben den Rückstand deutlich verkürzt. Ein einziger klassischer Sieg könnte die Reihenfolge an der Spitze komplett verändern.

Im Frauenturnier scheint Bibisara Assaubayeva dagegen bereits eine Hand am Siegerpokal zu haben. Mit 15,5 Punkten liegt sie deutlich vor ihren Verfolgerinnen und kann den Titel nun aus eigener Kraft sichern. Dennoch hat Norway Chess in diesem Jahr bereits mehrfach gezeigt, wie schnell sich die Tabellen durch das besondere Format verändern können. Gerade die Armageddon-Partien sorgen regelmäßig für unerwartete Wendungen – und genau das macht den Reiz dieses Turniers aus.

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