Wesley So gewinnt den Sinquefield Cup – Keymer qualifiziert sich für das GCT-Finale

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Editor: Thomas L.

8/21/2026

Wesley So gewinnt den Sinquefield Cup – Keymer qualifiziert sich für das GCT-Finale

Amerikaner entscheidet Stichkampf gegen Praggnanandhaa im Armageddon für sich – Keymer rettet mit Remis gegen van Foreest sein Ticket für das Saisonfinale

Der Sinquefield Cup 2026 ist mit einem dramatischen Schlusstag zu Ende gegangen. Nachdem sämtliche fünf Partien der neunten und letzten Runde remis endeten, musste die Entscheidung über den Turniersieg im Stichkampf fallen. Am Ende setzte sich Wesley So gegen R. Praggnanandhaa durch und gewann damit zum dritten Mal in seiner Karriere den Sinquefield Cup.

Für den deutschen Schachsport gab es ebenfalls Grund zur Freude: Vincent Keymer sicherte sich mit einem Remis gegen Jorden van Foreest den notwendigen Platz in der Gesamtwertung der Grand Chess Tour und qualifizierte sich damit für das große Saisonfinale.

Fünf Remis sorgen für Entscheidung im Stichkampf

Vor der letzten Runde war das Rennen um den Turniersieg denkbar eng. Praggnanandhaa und Wesley So lagen an der Spitze und hatten es selbst in der Hand, den Titel zu gewinnen. Doch keine der fünf Begegnungen brachte am Ende eine Entscheidung.

So spielte mit den weißen Steinen gegen Javokhir Sindarov und wählte einen ausgesprochen pragmatischen Ansatz. Der Amerikaner vereinfachte die Stellung konsequent und steuerte die Partie sicher in Richtung Remis. „Zum Glück hatte ich Weiß. Ich konnte tauschen, tauschen, tauschen“, erklärte So anschließend.

Auch Praggnanandhaa kam in seiner Partie nicht über ein Unentschieden hinaus. Damit waren beide Spieler nach neun Runden punktgleich, und die Turnierregeln verlangten einen Stichkampf um den Gesamtsieg.

Praggnanandhaa erhält im Armageddon die bessere Ausgangslage

Die Entscheidung wurde zunächst über zwei Schnellpartien mit einer Bedenkzeit von 10 Minuten plus fünf Sekunden Inkrement pro Zug gesucht. Beide Partien endeten remis. Damit musste das Armageddon über den Sieger des Sinquefield Cups entscheiden.

Praggnanandhaa gewann den Losentscheid und entschied sich für die weißen Steine. Damit erhielt der Inder fünf Minuten Bedenkzeit, während So mit vier Minuten auskommen musste. Ein weiterer Unterschied: Erst ab dem 60. Zug wurde ein Inkrement gewährt.

Für Praggnanandhaa war die Strategie entsprechend klar. Er wollte den Zeitvorteil nutzen und So möglichst lange unter Druck setzen. Tatsächlich bekam der Inder im Verlauf der Partie auch gute Chancen, die Begegnung auf regulärem Wege zu gewinnen.

Doch So bewies seine große Erfahrung. Trotz der schwierigen Situation verteidigte sich der Amerikaner präzise und konnte schließlich in ein Remisendspiel abwickeln. Damit war der Stichkampf entschieden: Wesley So gewann den Sinquefield Cup 2026.

Für So ist der Erfolg etwas Besonderes. Der Amerikaner gewann das prestigeträchtige Turnier damit bereits zum dritten Mal. Zugleich unterstrich er seine enorme Konstanz auf der Grand Chess Tour.

Keymer kämpft sich ins GCT-Finale

Aus deutscher Sicht lag der Fokus am Schlusstag auf Vincent Keymer. Der 21-Jährige kämpfte nicht mehr um den Turniersieg, sondern um einen der begehrten Plätze für das Finale der Grand Chess Tour.

Sein Gegner war Jorden van Foreest, der sich für die letzte Runde etwas Besonderes vorgenommen hatte. Der Niederländer überraschte Keymer mit dem Königsgambit – einer Eröffnung, die Keymer in einer klassischen Turnierpartie zuvor noch nie auf dem Brett gehabt hatte.

Die ungewöhnliche Eröffnungswahl brachte Keymer zunächst zum Nachdenken. Der Deutsche verbrauchte bereits in der Anfangsphase viel Zeit und musste eine schwierige Entscheidung treffen: Sollte er die scharfen Möglichkeiten annehmen oder versuchen, die Partie möglichst kontrolliert zu gestalten?

Keymer entschied sich für die zweite Variante. Er vermied unnötige Komplikationen und brachte die Partie Schritt für Schritt unter Kontrolle. Im 39. Zug endete die Begegnung schließlich durch Zugwiederholung remis.

„Heute wäre ein Sieg natürlich schön gewesen, allerdings wäre eine Niederlage sehr viel schlimmer gewesen“, erklärte Keymer nach der Partie.

Das Remis war für ihn letztlich Gold wert.

Ein bitterer Rückschlag wird korrigiert

Für Keymer war die Qualifikation besonders wichtig, weil er sich das Leben im Verlauf des Turniers selbst schwer gemacht hatte. In der siebten Runde hatte er gegen Javokhir Sindarov verloren und damit zwischenzeitlich seine Ausgangslage im Rennen um die Finalplätze verschlechtert.

In Runde acht schlug Keymer jedoch eindrucksvoll zurück. Gegen Fabiano Caruana gelang ihm ein wichtiger Sieg. Dadurch hielt er seine Chancen auf die Qualifikation am Leben.

Vor der letzten Runde lagen Keymer und Sindarov schließlich punktgleich auf den Plätzen drei und vier. Dahinter lauerten weitere starke Spieler. Keymer wusste deshalb genau, dass er sich gegen van Foreest keine Niederlage erlauben durfte.

Das Remis genügte schließlich.

Vier Spieler kämpfen um den Gesamttitel

Mit dem Abschluss des Sinquefield Cups stehen auch die Teilnehmer des Grand-Chess-Tour-Finales fest. Neben Turniersieger Wesley So und Praggnanandhaa gehören Fabiano Caruana und Vincent Keymer zum erlesenen Kreis der vier Spieler, die sich für das Finale qualifiziert haben.

Damit erlebt Keymer einen weiteren bedeutenden Meilenstein in seiner Karriere. Der Deutsche hat sich in den vergangenen Jahren Schritt für Schritt in der Weltspitze etabliert und erhält nun die Möglichkeit, beim GCT-Finale gegen einige der besten Spieler der Welt um den Gesamtsieg der Tour zu kämpfen.

Auch Praggnanandhaa kann den Sinquefield Cup trotz der bitteren Niederlage im Armageddon mit einem positiven Gefühl verlassen. Der Inder war dem Turniersieg sehr nahe und zeigte erneut, dass er bei den großen internationalen Einladungsturnieren um die Spitzenplätze mitspielen kann.

Sinquefield Cup als perfekter Abschluss

Der Schlusstag in St. Louis hatte damit nahezu alles zu bieten, was ein großes Schachturnier auszeichnet: fünf Remis in der regulären Runde, einen Stichkampf zwischen zwei Weltklassespielern, zwei Schnellpartien ohne Sieger und schließlich ein dramatisches Armageddon.

Am Ende durfte Wesley So jubeln. Der Amerikaner gewann seinen dritten Sinquefield Cup und setzte damit einen weiteren Höhepunkt in seiner langen Karriere.

Für Vincent Keymer beginnt dagegen bereits die nächste Herausforderung. Der Deutsche hat sich mit seinem Remis gegen van Foreest das Ticket für das Grand-Chess-Tour-Finale gesichert. Dort trifft er auf So, Praggnanandhaa und Caruana – und damit auf drei Spieler, die ebenfalls bewiesen haben, dass sie über eine komplette Saison hinweg zur absoluten Weltspitze gehören.

Das Finale beginnt bereits am Samstag. Für Keymer bietet sich damit die nächste große Gelegenheit, sich auf der internationalen Bühne zu beweisen.

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