Schacholympiade 2026: Die Aufstellungen stehen
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Editor: Aditja P.
8/22/2026


Schacholympiade 2026: Die Aufstellungen stehen
Gukesh an Brett vier, Niemann erstmals für die USA
Die Vorfreude auf die 46. Schacholympiade steigt. Rund einen Monat vor dem Beginn des größten Mannschaftsturniers der Welt hat die FIDE die gemeldeten Aufstellungen veröffentlicht. Vom 16. bis 27. September wird in Samarkand um olympisches Gold gekämpft. Insgesamt haben 400 Mannschaften für die beiden Wettbewerbe gemeldet – 208 Teams im offenen Turnier und 192 im Frauenturnier. Damit wird der Teilnehmerrekord von Budapest 2024 nochmals übertroffen.
Die Eröffnungsfeier ist für den 15. September vorgesehen, anschließend stehen elf Runden mit klassischer Bedenkzeit auf dem Programm. Schon ein Blick auf die Aufstellungen zeigt, dass das Turnier sportlich außergewöhnlich stark besetzt sein wird. Im offenen Wettbewerb führen die USA die Setzliste an, gefolgt von Titelverteidiger Indien, Gastgeber Usbekistan, China und Deutschland. Im Frauenturnier geht Indien ebenfalls als Nummer eins ins Rennen. Dahinter folgen Georgien, China, Kasachstan und die USA.
USA mit Niemann und Caruana an der Spitze
Die Vereinigten Staaten gehen mit einer Mannschaft an den Start, die auf dem Papier kaum Wünsche offenlässt. Fabiano Caruana führt das Team mit einer Elozahl von 2792 an, dahinter folgt Wesley So. Für Gesprächsstoff sorgt vor allem die Entscheidung, Hans Niemann an Brett drei vor Levon Aronian zu melden. Awonder Liang komplettiert das Quintett. Sowohl Niemann als auch Liang feiern dabei ihr Olympiadebüt.
Die USA haben damit eine Mannschaft zusammengestellt, die um die Goldmedaille kämpfen kann. Gleichzeitig ist die Ausgangslage besonders interessant, weil mehrere Mannschaften nahezu auf Augenhöhe liegen. Zwischen den großen Favoriten dürfte es auf die Tagesform und die Tiefe des jeweiligen Kaders ankommen.
Indien will den Titel verteidigen
Der Titelverteidiger Indien setzt erneut auf seine außergewöhnlich starke Generation. Allerdings hat sich die Brettreihenfolge gegenüber der Olympiade 2024 deutlich verändert. Arjun Erigaisi führt die Mannschaft an, gefolgt von Praggnanandhaa. Nihal Sarin spielt an Brett drei, Weltmeister Gukesh ist an Position vier gemeldet und Vidit Gujrathi komplettiert das Team.
Gerade die Position von Gukesh fällt ins Auge. In Budapest spielte der spätere Weltmeister noch an Brett eins und lieferte dort eine herausragende Vorstellung ab. Mit neun Punkten aus zehn Partien und einer Performance von 3056 gewann er die Einzelwertung und hatte entscheidenden Anteil am indischen Olympiasieg. Nun wird er eine andere Rolle innerhalb der Mannschaft übernehmen.
Indien steht gleichzeitig vor einer historischen Herausforderung. Seit Armenien 2006 und 2008 konnte keine Mannschaft den Titel im offenen Wettbewerb zweimal hintereinander gewinnen. China, die USA, Usbekistan und Indien haben die vergangenen fünf Olympiaden unter sich aufgeteilt. Die Titelverteidigung in Samarkand wird deshalb eine der großen Geschichten des Turniers sein.
Gastgeber Usbekistan mit der Goldgeneration
Besonders gespannt darf man auf Gastgeber Usbekistan sein. Die Mannschaft wird von Javokhir Sindarov angeführt, der inzwischen mit einer Elozahl von 2777 zur absoluten Weltspitze gehört. Dahinter folgen Olympiasieger Nodirbek Abdusattorov, Nodirbek Yakubboev, Shamsiddin Vokhidov und Mukhiddin Madaminov. Kapitän ist der frühere FIDE-Weltmeister Rustam Kasimdzhanov.
Vier Spieler aus der Goldmannschaft von Chennai 2022 sind erneut dabei. 2024 in Budapest gewann Usbekistan Bronze. Nun soll vor heimischem Publikum der nächste große Coup folgen. Die zusätzliche Motivation durch das eigene Publikum könnte dabei eine wichtige Rolle spielen.
Als Gastgeber darf Usbekistan außerdem jeweils drei Mannschaften in beiden Wettbewerben stellen. Damit erhalten zahlreiche junge Spielerinnen und Spieler die Möglichkeit, bei einer Olympiade internationale Erfahrung zu sammeln.
China setzt auf Wei Yi und Ding Liren
Auch China gehört zum engsten Favoritenkreis. Wei Yi führt die Mannschaft an, hinter ihm folgt der ehemalige Weltmeister Ding Liren. Yu Yangyi, Xu Xiangyu und Kong Xiangrui vervollständigen das Team. Für den jüngsten Spieler der Mannschaft, Kong Xiangrui, wird es die erste Schacholympiade sein.
China hat eine lange Olympiadetradition und gewann den Titel im offenen Wettbewerb bereits 2014 und 2018. Mit Wei Yi verfügt das Team weiterhin über einen Spieler aus der absoluten Weltklasse, während Ding Liren die Erfahrung mehrerer Olympiasiege mitbringt.
Deutschland auf Position fünf
Deutschland geht als Nummer fünf der Setzliste in das Turnier. Vincent Keymer führt die Mannschaft an. Ihm folgen Matthias Blübaum, Frederik Svane, Alexander Donchenko und Dmitrij Kollars. Mannschaftskapitän ist Jan Gustafsson.
Für Frederik Svane bietet sich dabei eine besondere Gelegenheit. Der deutsche Großmeister gewann in Budapest 2024 als Ersatzspieler die Goldmedaille in der Einzelwertung. Nun gehört er zum regulären Aufgebot und wird gemeinsam mit Keymer versuchen, Deutschland im Kampf um die vorderen Plätze zu etablieren.
Hinter den fünf Topmannschaften ist das Feld dicht gedrängt. Die Niederlande, Aserbaidschan, Ungarn, Armenien und Frankreich gehören ebenfalls zu den Teams, die für eine Medaille infrage kommen. Gerade bei einer Olympiade kann ein kleiner Unterschied in der Mannschaftstiefe am Ende entscheidend sein.
Indien auch bei den Frauen Favorit
Im Frauenturnier ist die Ausgangslage ähnlich spannend. Indien führt die Setzliste mit einem Elo-Durchschnitt von 2476 an. Das Team besteht aus Humpy Koneru, Divya Deshmukh, Vaishali Rameshbabu, Vantika Agrawal und Savitha Shri B.
Besonders bemerkenswert ist die Rückkehr von Humpy Koneru. Die erfahrene Großmeisterin hatte die Olympiade 2024 ausgelassen und übernimmt nun wieder Brett eins. Gleichzeitig setzt Indien weiterhin auf die junge Generation. Divya, Vaishali und Vantika gehörten bereits zur Goldmannschaft von Budapest.
Vaishali reist zudem mit besonderen Erinnerungen nach Samarkand. Im vergangenen Jahr gewann sie dort das Women's Grand Swiss und hatte bereits 2023 den Titel geholt. Inzwischen hat sie außerdem das Kandidatinnenturnier gewonnen und sich damit für den Weltmeisterschaftskampf gegen Ju Wenjun qualifiziert.
Die Konkurrenz ist allerdings stark. Georgien, China und Kasachstan gehören ebenfalls zum erweiterten Favoritenkreis. China tritt diesmal ohne Ju Wenjun, Lei Tingjie und Tan Zhongyi an, verfügt aber weiterhin über eine hochklassige Mannschaft. Kasachstan wiederum hat sich in den vergangenen Jahren kontinuierlich nach vorne gearbeitet und gewann 2024 in Budapest erstmals eine Olympiamedaille.
Eine neue Generation steht bereit
Die Aufstellungen machen zugleich deutlich, wie stark die junge Generation das internationale Schach inzwischen prägt. Ein besonders eindrucksvolles Beispiel ist die Türkei. Der erst 15-jährige Yağız Kaan Erdoğmuş führt das Team an. Im Mai hatte er als jüngster Spieler der Schachgeschichte die Elo-Marke von 2700 überschritten.
Auch Faustino Oro sorgt für Aufmerksamkeit. Der Argentinier wurde im Alter von zwölf Jahren, sechs Monaten und 26 Tagen Großmeister und gehört damit zu den jüngsten Spielern überhaupt, die diesen Titel erreicht haben.
Bei den Frauen ist die erst elfjährige Bodhana Sivanandan besonders bemerkenswert. Sie feierte ihr Olympiadedebüt bereits in Budapest und erzielte zuletzt als jüngstes Mädchen der Schachgeschichte eine IM-Norm. Damit übertraf sie den beinahe vier Jahrzehnte alten Rekord von Judit Polgár.
Die Schacholympiade 2026 verspricht damit nicht nur einen Kampf der etablierten Nationen um Gold, sondern auch einen Blick in die Zukunft des Sports. Junge Talente treffen auf Weltmeister und erfahrene Spitzenspieler – und bekommen in Samarkand die große Bühne, um sich international zu beweisen.
Noch sind es einige Wochen bis zum ersten Zug. Doch die veröffentlichten Mannschaftsaufstellungen haben bereits einen Vorgeschmack darauf gegeben, was die Schachwelt in Usbekistan erwartet: Titelverteidiger Indien, ein ambitionierter Gastgeber, die USA mit einer starken neuen Besetzung und zahlreiche weitere Mannschaften, die auf ihre Chance hoffen.
Wenn am 16. September die erste Runde beginnt, wird die Frage im Mittelpunkt stehen, ob Indien seinen Titel verteidigen kann. Oder gelingt Gastgeber Usbekistan vor heimischem Publikum die Rückkehr an die Spitze? Die Antwort darauf gibt es nach elf Runden – bei einer Olympiade, die mit 400 gemeldeten Mannschaften bereits vor dem ersten Zug einen neuen Teilnehmerrekord aufgestellt hat.
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