Samarkand bereit für die größte Schacholympiade der Geschichte
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Editor: Toni G.
9/15/2026


Samarkand bereit für die größte Schacholympiade der Geschichte
400 Mannschaften, Weltklassebesetzung und ein historischer Austragungsort: In Samarkand beginnt die 46. Schacholympiade
Samarkand steht vor einem historischen Moment. Wenn am 16. September die erste Runde der 46. FIDE-Schacholympiade beginnt, wird die traditionsreiche Stadt an der alten Seidenstraße zum Treffpunkt der weltweiten Schachfamilie. Rund 400 Nationalmannschaften aus aller Welt werden in Usbekistan erwartet – mehr als jemals zuvor bei einer Schacholympiade.
Insgesamt haben sich 208 Teams für den offenen Wettbewerb und 192 Mannschaften für die Frauenolympiade angekündigt. Damit wird der bisherige Rekord von Budapest 2024 übertroffen, als insgesamt 380 Mannschaften an den Start gingen. Gespielt wird über elf Runden bis zum 27. September.
Samarkand ist dabei weit mehr als nur Kulisse für eines der wichtigsten Mannschaftsturniere des Schachs. Die Stadt gehört zu den historischen Zentren Zentralasiens und war über Jahrhunderte ein bedeutender Knotenpunkt zwischen Ost und West. Händler, Gelehrte und Reisende machten Samarkand zu einem Ort des Austauschs. Nun kommen an diesem geschichtsträchtigen Ort Schachspieler aus nahezu allen Teilen der Welt zusammen.
Die Weltelite trifft auf ambitionierte Außenseiter
Sportlich verspricht die Olympiade ein außergewöhnlich dichtes Rennen. Indien reist als Titelverteidiger im offenen Wettbewerb nach Samarkand. Die Mannschaft hatte 2024 in Budapest sensationell die Goldmedaille gewonnen und gehört auch diesmal zu den großen Favoriten. China, die USA, Deutschland und zahlreiche weitere Spitzennationen werden versuchen, den Titelverteidiger zu stoppen.
Besonders interessant ist die Ausgangslage der Gastgeber. Usbekistan hat sich in den vergangenen Jahren von einer aufstrebenden Schachnation zu einem festen Bestandteil der Weltspitze entwickelt. Der Olympiasieg 2022 war ein Meilenstein, inzwischen verfügt das Land über eine ganze Generation von Großmeistern, die auch international um die vorderen Plätze kämpfen.
Angeführt wird diese Entwicklung unter anderem von Spielern wie Nodirbek Abdusattorov und Javokhir Sindarov. Gerade für die Gastgeber dürfte das Heimturnier deshalb eine besondere Bedeutung besitzen. Der Druck ist groß, gleichzeitig bietet die Olympiade die Gelegenheit, die außergewöhnliche Entwicklung des usbekischen Schachs vor heimischem Publikum zu präsentieren.
Doch bei einer Olympiade entscheidet nicht allein die Stärke der ersten Bretter. Elf Runden verlangen Konstanz über einen langen Zeitraum. Eine Mannschaft kann mit einem Weltklassespieler antreten und trotzdem zurückfallen, wenn an den übrigen Brettern regelmäßig Punkte verloren gehen. Genau diese Ausgeglichenheit macht den Mannschaftswettbewerb so unberechenbar.
Indien will den Titel verteidigen
Für Titelverteidiger Indien wird es darum gehen, die außergewöhnliche Leistung von Budapest zu bestätigen. Mannschaftskapitän Srinath Narayanan verwies im Vorfeld auf die Erfahrung und die Tiefe des Teams. Die Spieler kennen sich besser, sind inzwischen erfahrener und verfügen an mehreren Brettern über Weltklasseformat.
Gerade die Breite des indischen Kaders könnte im Verlauf des Turniers entscheidend werden. Bei elf Runden entstehen unweigerlich Situationen, in denen ein Spieler einen schlechten Tag erwischt oder eine Mannschaft gezwungen ist, gegen einen unangenehmen Gegner besonders vorsichtig zu agieren. Eine Olympiade gewinnt deshalb nicht unbedingt das Team mit dem spektakulärsten Einzelspieler, sondern häufig jenes, das über zwei Wochen hinweg die wenigsten Schwächen zeigt.
Auch bei den Frauen ist der Kampf um Gold offen
Parallel zum offenen Wettbewerb kämpfen die Frauenmannschaften um den Olympiasieg. Auch hier geht Indien als Titelverteidiger an den Start. Doch die Konkurrenz ist groß, und die wachsende internationale Breite im Frauenschach sorgt dafür, dass Überraschungen jederzeit möglich sind.
Die Entwicklung der vergangenen Jahre hat gezeigt, wie stark sich das internationale Frauenschach verbreitert hat. Neben den etablierten Großmächten treten immer mehr Mannschaften mit jungen Talenten und ambitionierten Spielerinnen auf. In Samarkand treffen damit nicht nur bekannte Namen aufeinander, sondern auch die nächste Generation des internationalen Schachs.
Eine Olympiade, die über den Sport hinausgeht
Die Dimensionen der Veranstaltung beschränken sich allerdings nicht auf die beiden großen Wettbewerbe. Bereits seit dem 10. September findet in Samarkand die dritte FIDE-Schacholympiade für Menschen mit Behinderungen statt. Mit 41 teilnehmenden Mannschaften wurde dabei ebenfalls ein neuer Rekord aufgestellt. Erstmals wird diese Veranstaltung zeitgleich und am selben Austragungsort wie die reguläre Schacholympiade durchgeführt.
Damit wird Samarkand für mehrere Wochen zu einem Zentrum des internationalen Schachs. Spieler mit visuellen, körperlichen und Hörbeeinträchtigungen treten gemeinsam in einem internationalen Mannschaftswettbewerb an. Die Veranstaltung steht damit beispielhaft für die zunehmende Bedeutung von Inklusion innerhalb des Schachs.
Hinzu kommt der FIDE-Kongress, der während der Olympiade stattfindet. Dort geht es nicht nur um organisatorische Fragen des Weltschachverbandes. Am 26. September steht auch die FIDE-Wahl auf dem Programm, bei der über die Führung des Verbandes für die kommenden vier Jahre entschieden wird. Zudem soll über die Vergabe der Schacholympiade 2030 beraten werden.
Ein weiterer Schwerpunkt ist der FIDE Summit on Chess in Education am 24. September. Im Rahmen des von FIDE ausgerufenen Jahres des Schachs in der Bildung kommen Vertreter aus Bildung, Politik und Forschung zusammen, um über die Rolle des Schachs im Bildungsbereich zu diskutieren.
Von der Seidenstraße in die moderne Schachwelt
Auch logistisch ist die Veranstaltung auf Großformat ausgelegt. Die Teilnehmer reisen aus allen Teilen der Welt nach Samarkand, wobei moderne Infrastruktur auf die jahrhundertealte Geschichte der Stadt trifft. Der schnelle Afrosiyob-Zug, der mit Geschwindigkeiten von bis zu 210 Kilometern pro Stunde unterwegs ist, verbindet Samarkand mit anderen wichtigen Städten Usbekistans.
Die Organisatoren wollen damit ein Turnier schaffen, das nicht nur sportlich, sondern auch kulturell in Erinnerung bleibt. Schon die Wahl Samarkands als Austragungsort verbindet die Geschichte des Schachs mit seiner modernen internationalen Entwicklung. Die Region war ein wichtiger Korridor für die Ausbreitung des Spiels, und archäologische Funde belegen die lange Tradition des Schachs in Usbekistan und Zentralasien.
Ein symbolischer Auftakt wurde bereits mit der traditionellen Schachfackel geschaffen. In Indien übergaben FIDE-Interimspräsident Viswanathan Anand und der Präsident des indischen Schachverbandes Nitin Narang die Fackel an Javokhir Sindarov. Der usbekische Großmeister wird sie nach Samarkand bringen, wo die Olympiade wenige Tage später beginnt.
Der Kampf um Gold beginnt
Am Ende aber wird trotz aller Rekorde und Rahmenveranstaltungen das Schachbrett im Mittelpunkt stehen. 400 Mannschaften, elf Runden und eine enorme Leistungsdichte versprechen zwei Wochen voller sportlicher Dramen. Favoriten können früh Punkte verlieren, Außenseiter über sich hinauswachsen und einzelne Partien über die Medaillen entscheiden.
Genau darin liegt die besondere Faszination der Schacholympiade. Kein Spieler kann den Titel allein gewinnen. Jede Mannschaft ist auf ihre vier Bretter angewiesen, und jeder halbe Punkt kann im Verlauf des Turniers Bedeutung bekommen.
Wenn am 16. September in Samarkand die Uhren gestartet werden, beginnt damit nicht nur die größte Schacholympiade der Geschichte. Für knapp zwei Wochen wird die alte Seidenstraßenstadt zum Mittelpunkt einer Schachwelt, die so groß und vielfältig ist wie nie zuvor.
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