Runde 6: Carlsen meldet sich zurück, Bibisara verteidigt die Spitze
Editor: Thomas L.
5/31/2026


Runde 6: Carlsen meldet sich zurück, Bibisara verteidigt die Spitze
Die sechste Runde des Norway Chess 2026 hat das Turnier in beiden Wettbewerben neu belebt. Während im Open-Turnier die Aufholjagd von Magnus Carlsen für neue Spannung sorgt, behauptet sich im Frauenturnier weiterhin Bibisara Assaubayeva an der Tabellenspitze. Vier Runden vor Schluss ist weder bei den Männern noch bei den Frauen eine Vorentscheidung gefallen – im Gegenteil: Die Ausgangslage verspricht einen dramatischen Endspurt.
Carlsen gelingt die Revanche gegen Firouzja
Das Spiel des Tages war zweifellos das Duell zwischen Magnus Carlsen und Alireza Firouzja. Bereits in der ersten Runde hatte Firouzja den Weltranglistenersten mit seinem ersten klassischen Sieg gegen den Norweger überrascht. In Runde sechs schlug Carlsen nun zurück.
Mit den weißen Steinen wählte der Norweger eine eher seltene Fortsetzung in der Spanischen Partie und setzte seinen Gegner früh unter Druck. Firouzja verteidigte sich lange präzise, geriet jedoch zunehmend in Schwierigkeiten. Als die Zeit knapper wurde, fand Carlsen immer mehr Angriffspunkte und verwertete seinen Vorteil schließlich souverän. Der Sieg war für den Lokalmatadoren enorm wichtig, nachdem er zuvor bereits drei Niederlagen im Turnier hatte hinnehmen müssen.
Trotz der Niederlage bleibt Firouzja in Schlagdistanz zur Spitze. Allerdings hat sich das Feld nun deutlich zusammengeschoben. Wesley So führt weiterhin die Tabelle an, während Carlsen wieder unmittelbaren Anschluss an die Spitzengruppe gefunden hat.
Keymers Befreiungsschlag gegen den Weltmeister
Aus deutscher Sicht stand Vincent Keymer im Mittelpunkt. Der 21-Jährige hatte bislang zwar mehrfach überzeugendes Schach gezeigt, seine Chancen jedoch oft nicht in volle Punkte ummünzen können. Gegen Weltmeister Gukesh Dommaraju gelang ihm nun endlich der ersehnte Befreiungsschlag.
Keymer spielte eine seiner besten Partien des Turniers, übernahm im Mittelspiel die Initiative und setzte den Weltmeister kontinuierlich unter Druck. Diesmal ließ er sich die Chance nicht mehr entgehen. Der erste klassische Sieg des Deutschen könnte sich als Wendepunkt seines Turniers erweisen und neues Selbstvertrauen für die Schlussphase bringen.
Auch die dritte Begegnung des Tages zwischen Wesley So und Praggnanandhaa Rameshbabu hatte erhebliche Bedeutung für die Tabelle. So bleibt dank seiner beeindruckenden Konstanz weiterhin ganz vorne im Rennen und profitiert vom besonderen Wertungssystem des Turniers.
Bibisara behauptet die Führung bei den Frauen
Im Norway Chess Women bleibt Bibisara Assaubayeva die Spielerin, die es zu schlagen gilt. Die Kasachin führt das Feld nach sechs Runden mit 9,5 Punkten an und hat sich diese Position durch eine bemerkenswerte Mischung aus Kampfgeist und Nervenstärke erarbeitet. Bereits seit der ersten Runde bewegt sie sich an der Spitze des Klassements und konnte ihre Führung trotz des hohen Niveaus der Konkurrenz verteidigen.
Hinter ihr lauern mehrere Verfolgerinnen. Besonders Divya Deshmukh präsentiert sich weiterhin in starker Form und hat mehrfach bewiesen, dass sie gegen jede Gegnerin auf Gewinn spielen kann. Auch Zhu Jiner und Anna Muzychukbefinden sich weiterhin in Reichweite der Spitzenplätze.
Für Frauenweltmeisterin Ju Wenjun verläuft das Turnier dagegen bislang enttäuschend. Besonders in den Armageddon-Entscheidungen ließ die Chinesin mehrere Chancen liegen und konnte deshalb noch nicht in den Kampf um den Turniersieg eingreifen.
Ausblick auf Runde 7
Die Paarungen der siebten Runde versprechen Hochspannung. Besonders im Fokus steht das Duell zwischen Magnus Carlsen und Vincent Keymer. Für den Deutschen bietet sich die Möglichkeit, seinen jüngsten Erfolg gegen den Weltmeister Gukesh zu bestätigen. Gleichzeitig weiß Carlsen, dass er sich kaum weitere Punktverluste erlauben kann, wenn er das Turnier noch gewinnen möchte.
Ebenso interessant ist die Begegnung zwischen Wesley So und Gukesh. Während So seine Führung verteidigen will, kämpft der amtierende Weltmeister darum, wieder Anschluss an die Spitzengruppe zu finden. Die dritte Partie zwischen Firouzja und Praggnanandhaa könnte ebenfalls richtungsweisend werden. Beide Spieler benötigen nach zuletzt wechselhaften Ergebnissen dringend einen Erfolg.
Im Frauenturnier richtet sich der Blick auf Spitzenreiterin Bibisara Assaubayeva. Mit vier verbleibenden Runden wird jede Partie zunehmend wichtiger. Ein weiterer Sieg könnte ihre Position erheblich stärken, während ein Rückschlag das Feld sofort wieder enger zusammenrücken lassen würde.
Norway Chess 2026 befindet sich damit genau in jener Phase, die das Turnier seit Jahren auszeichnet. Die Favoriten stehen unter Druck, Außenseiter wittern ihre Chance, und sowohl im Open als auch im Frauenturnier ist der Ausgang vollkommen offen. Die siebte Runde könnte bereits entscheidende Weichen für den Kampf um die Titel stellen.
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