Praggnanandhaa triumphiert in Saint Louis

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Editor: Toni G.

8/10/2026

Praggnanandhaa triumphiert in Saint Louis

Praggnanandhaa Rameshbabu hat das Saint Louis Rapid & Blitz 2026 gewonnen. Der indische Großmeister, der das Turnier bereits nach dem Schnellschach anführte, behauptete seine Spitzenposition auch im anschließenden Blitzwettbewerb und machte den Gesamtsieg bereits eine Runde vor Schluss perfekt. Im entscheidenden Duell gegen Javokhir Sindarov genügte dem 20-Jährigen ein Remis, um sich den ersten Platz zu sichern. Am Ende hatte Praggnanandhaa 23,5 Punkte gesammelt und damit anderthalb Zähler Vorsprung auf den Usbeken.

Der Erfolg ist ein weiterer Höhepunkt in einer bemerkenswerten Saison für Praggnanandhaa. Nach einem schwierigen Start in das Jahr mit Platz elf beim Tata Steel Masters und einem geteilten sechsten Rang beim Kandidatenturnier fand der Inder zunehmend zu seiner Form. In Saint Louis zeigte sich nun besonders deutlich, wie gut er inzwischen auch mit den schnellen Zeitkontrollen umgehen kann. Nach neun Rapidpartien lag er mit zwölf Punkten bereits an der Spitze, im Blitz kamen weitere 11,5 Zähler hinzu.

Dabei war der Turniersieg keineswegs eine Selbstverständlichkeit. Der letzte Blitztag begann für Praggnanandhaa mit einem kleinen Rückschlag. Gegen Vincent Keymer kam er zunächst nicht über ein Remis hinaus, anschließend musste er sich Awonder Liang geschlagen geben. Gleichzeitig punktete Sindarov und verkürzte den Abstand auf lediglich einen halben Punkt. Damit war aus dem scheinbar komfortablen Vorsprung plötzlich ein echtes Duell um den Gesamtsieg geworden.

Praggnanandhaa reagierte jedoch genau im richtigen Moment. Gegen Anish Giri gelang ihm ein wichtiger Sieg, während Sindarov gegen Keymer ebenfalls gewann. Beide Spitzenreiter hielten damit das Tempo hoch und sorgten dafür, dass die Entscheidung bis zum direkten Aufeinandertreffen vertagt wurde. Hinter den beiden lagen Wesley So und Levon Aronian zu diesem Zeitpunkt mit jeweils 17 Punkten bereits deutlich zurück.

Das direkte Duell in der vorletzten Runde wurde schließlich zum Höhepunkt des Turniers. Praggnanandhaa ging mit Weiß und einem Vorsprung von 1,5 Punkten in die Partie. Für Sindarov war die Ausgangslage klar: Nur ein Sieg konnte den Kampf um den Turniersieg noch einmal vollständig öffnen. Der Usbeke kam tatsächlich zu Chancen und gewann im Endspiel einen Bauern. Doch Praggnanandhaa verteidigte sich mit großer Präzision und fand selbst in größter Zeitnot immer wieder die richtigen Züge.

Damit war die Entscheidung gefallen. Das Remis reichte Praggnanandhaa zum Gesamtsieg. Sindarov musste sich mit dem zweiten Platz begnügen, darf das Turnier aber ebenfalls als großen Erfolg verbuchen. Mit 22 Punkten blieb er nur 1,5 Zähler hinter dem Sieger und sammelte zehn Punkte für die Gesamtwertung der Grand Chess Tour. Besonders wichtig: Durch sein starkes Ergebnis hat der Usbeke seine Chancen auf die Qualifikation für das Tour-Finale deutlich verbessert.

Auf Rang drei landete Wesley So mit 20,5 Punkten. Levon Aronian kam auf 19 Zähler und belegte den vierten Platz. Fabiano Caruana, Jorden van Foreest und Leinier Domínguez teilten sich mit jeweils 17 Punkten Rang fünf. Für Vincent Keymer verlief das Turnier dagegen enttäuschend. Nach einem starken Rapidteil, den er mit neun Punkten abschloss, konnte der deutsche Großmeister im Blitz nur 5,5 Punkte aus 18 Partien holen. Mit insgesamt 14,5 Punkten musste er sich mit dem neunten Platz begnügen.

Für Praggnanandhaa ist der Sieg auch in der Gesamtwertung der Grand Chess Tour von großer Bedeutung. Die 13 GCT-Punkte aus Saint Louis katapultierten ihn auf Rang zwei hinter Fabiano Caruana. Wesley So und Vincent Keymer folgen auf den weiteren Qualifikationsplätzen, während Sindarov auf Rang fünf nun unmittelbar hinter Keymer liegt. Der Kampf um die vier Plätze für das Tour-Finale ist damit so spannend wie selten zuvor.

Bemerkenswert ist, wie sich Praggnanandhaas Saison nach einem schwierigen Auftakt entwickelt hat. In Zagreb erreichte er beim Super Rapid & Blitz den geteilten dritten Platz, bevor er beim Norway Chess seinen bislang größten Erfolg des Jahres feierte. In Oslo setzte er sich unter anderem gegen Magnus Carlsen durch und bewies bereits dort, dass er zu den stärksten Spielern der Welt gehört. Der Triumph in Saint Louis bestätigt nun, dass dieser Erfolg keineswegs ein Ausreißer war.

Der Sieg ist zugleich ein weiterer Beleg für die enorme Entwicklung des indischen Schachs. Praggnanandhaa, Weltmeister Gukesh und zahlreiche weitere junge Großmeister haben Indien in den vergangenen Jahren endgültig an die Spitze des internationalen Schachs geführt. Während Gukesh bereits den Weltmeistertitel eroberte, sammelt Praggnanandhaa nun immer mehr große Turniersiege und etabliert sich damit ebenfalls dauerhaft in der absoluten Weltspitze.

Für die Grand Chess Tour ist die Entscheidung in Saint Louis gleichzeitig ein Vorgeschmack auf die nächste entscheidende Phase. Bereits am 10. August beginnt mit dem Sinquefield Cup das letzte Turnier vor dem Tour-Finale. Acht Spieler aus Saint Louis sind erneut dabei, darunter Praggnanandhaa, Sindarov, Keymer und Caruana. Mit Maxime Vachier-Lagrave und Samuel Sevian kommen zwei weitere Spieler hinzu.

Während Praggnanandhaa seinen Erfolg zunächst genießen kann, beginnt für andere Spieler damit der Kampf um die letzten Plätze im Finale. Besonders Keymer und Sindarov stehen unter Druck. Der Deutsche hatte nach seinen starken Ergebnissen bei den vorherigen Stationen lange Zeit sehr gute Aussichten auf die Qualifikation. Nun ist sein Vorsprung geschmolzen. Sindarov dagegen hat sich mit seiner starken Vorstellung in Saint Louis plötzlich in eine Position gebracht, aus der er selbst noch den Sprung ins Finale schaffen kann.

Praggnanandhaa muss sich um solche Rechnereien vorerst nicht kümmern. Mit 23,5 Punkten war er der konstanteste Spieler des Turniers und setzte sich gegen ein Feld durch, in dem praktisch jeder Teilnehmer jederzeit um den Sieg spielen konnte. Besonders die Kombination aus zwölf Punkten im Rapid und 11,5 im Blitz unterstreicht die Ausgeglichenheit seiner Leistung.

Saint Louis war damit nicht nur ein weiterer Turniersieg für Praggnanandhaa, sondern ein wichtiger Schritt in Richtung Grand-Chess-Tour-Finale. Der junge Inder ist inzwischen nicht mehr nur ein großes Talent mit glänzender Zukunft, sondern ein Spieler, der regelmäßig um die wichtigsten Titel kämpft. Nach seinem Triumph in Saint Louis steht nun fest: Mit Praggnanandhaa muss man bei den kommenden Höhepunkten der Schachsaison rechnen.

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