Praggnanandhaa triumphiert in Oslo – Bibisara Assaubayeva krönt ihr Traumturnier
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Editor: Aditja P.
6/6/2026


Praggnanandhaa triumphiert in Oslo – Bibisara Assaubayeva krönt ihr Traumturnier
Mit einer dramatischen Schlussrunde ging Norway Chess 2026 am Freitag in Oslo zu Ende. Während sich im Open-Turnier erst am letzten Spieltag die Entscheidung um den Titel fiel, stand die Siegerin des Frauenturniers bereits seit der vorletzten Runde fest. Am Ende durften sich zwei Spieler freuen, die über die gesamte Turnierdistanz hinweg mit Kampfgeist, Nervenstärke und konstanten Leistungen überzeugten: Rameshbabu Praggnanandhaa gewann erstmals das prestigeträchtige Norway Chess, während Bibisara Assaubayeva den größten Erfolg ihrer bisherigen Karriere feierte.
Praggnanandhaa vollendet eine beeindruckende Aufholjagd
Noch wenige Runden vor Schluss schien Wesley So auf bestem Weg zum Turniersieg. Der Amerikaner hatte über weite Strecken das Feld angeführt und zeigte einmal mehr, warum er zu den konstantesten Spielern der Welt gehört. Doch Praggnanandhaa gelang zum Ende des Turniers ein bemerkenswerter Lauf.
Nach seinen klassischen Siegen gegen Alireza Firouzja, Magnus Carlsen und Weltmeister Gukesh Dommaraju ging der Inder mit enormem Selbstvertrauen in die Schlussrunde. Dort traf er auf Vincent Keymer und nutzte seine Chance konsequent. Mit einem weiteren Sieg sicherte er sich den Turniersieg und schrieb Geschichte als erster indischer Gewinner von Norway Chess. Gleichzeitig war es sein vierter klassischer Sieg in Folge – eine außergewöhnliche Serie auf diesem Niveau.
Besonders bemerkenswert ist dabei die Qualität seiner Gegner. Während des Turniers besiegte Praggnanandhaa sowohl Magnus Carlsen als auch Gukesh und Firouzja. Gegen Carlsen gelang ihm sogar das Kunststück, den Weltranglistenersten zweimal in klassischen Partien zu schlagen. Damit stellte er sich in eine Reihe mit den größten Erfolgen des indischen Spitzenschachs.
Credit: Michal Walusza / Norway Chess
Wesley So verliert den Titel erst auf der Zielgeraden
Für Wesley So endet das Turnier trotz des verpassten Gesamtsiegs mit einer starken Leistung. Der Amerikaner führte das Feld über mehrere Runden an und zeigte besonders in den Armageddon-Partien seine bekannte Nervenstärke. Noch nach Runde neun lag er mit einem halben Punkt vor Praggnanandhaa an der Spitze.
Am Ende reichte der Vorsprung jedoch nicht aus. Die Aufholjagd des Inders erwies sich als zu stark. Dennoch bestätigte So mit seinem zweiten Platz seine hervorragende Form und gehörte während des gesamten Turniers zu den konstantesten Spielern des Feldes.
Gemischte Bilanz für Carlsen, Firouzja und Gukesh
Magnus Carlsen erlebte bei seinem Heimturnier eines der schwierigsten Turniere der vergangenen Jahre. Mehrere Niederlagen in klassischen Partien, darunter zwei gegen Praggnanandhaa, verhinderten frühzeitig einen Angriff auf den Titel. Zwar zeigte der Norweger zwischenzeitlich starke Leistungen, doch die notwendige Konstanz fehlte diesmal. Beobachter sprachen von einer der schwächsten Turnierleistungen Carlsens seit langer Zeit.
Alireza Firouzja gehörte lange zu den Titelkandidaten. Der Franzose hatte das Turnier mit einem Sieg gegen Carlsen eröffnet und führte zeitweise sogar die Tabelle an. In der Schlussphase fehlten jedoch einige entscheidende Punkte, sodass er hinter Praggnanandhaa und Wesley So zurückfiel.
Auch Weltmeister Gukesh wird Oslo vermutlich schnell abhaken wollen. Trotz einzelner starker Momente fand der Inder nie zu seiner gewohnten Stabilität und musste mehrere schmerzhafte Niederlagen hinnehmen. Besonders die verlorene Partie gegen Praggnanandhaa in Runde neun erwies sich als schwerer Rückschlag.
Assaubayeva dominiert das Frauenturnier
Während im Open-Turnier bis zuletzt gerechnet wurde, war die Entscheidung bei den Frauen bereits vor der letzten Runde gefallen. Bibisara Assaubayeva hatte sich mit einer beeindruckenden Serie von Erfolgen einen uneinholbaren Vorsprung erarbeitet und den Titel schon nach Runde neun mathematisch gesichert.
Die Kasachin überzeugte vor allem durch ihre Vielseitigkeit. Sie gewann wichtige klassische Partien, punktete regelmäßig im Armageddon und wirkte während des gesamten Turniers außergewöhnlich stabil. Besonders ihre Siege gegen direkte Konkurrentinnen wie Zhu Jiner und ihre zahlreichen erfolgreichen Armageddon-Auftritte legten den Grundstein für den Turniererfolg.
In der Schlussrunde stand für Assaubayeva vor allem der würdige Abschluss eines bereits gewonnenen Turniers im Mittelpunkt. Ihr Titelgewinn unterstreicht zugleich ihre Entwicklung zu einer festen Größe im internationalen Frauenschach.
Credit: Michal Walusza / Norway Chess
Spannender Kampf um die weiteren Podiumsplätze
Hinter Assaubayeva entwickelte sich ein enger Kampf um die verbleibenden Spitzenplätze. Anna Muzychuk, Zhu Jiner und Divya Deshmukh lieferten sich bis zum Ende ein ausgeglichenes Rennen. Besonders Zhu Jiner überzeugte in der zweiten Turnierhälfte mit mehreren starken klassischen Partien und konnte sich noch entscheidend nach vorne arbeiten.
Frauenweltmeisterin Ju Wenjun blieb dagegen hinter den Erwartungen zurück. Zwar gelangen ihr einzelne starke Partien, insgesamt fehlte jedoch die Konstanz, um ernsthaft in den Kampf um den Turniersieg einzugreifen.
Ein Turnier voller Geschichten
Norway Chess 2026 wird vor allem wegen zweier Namen in Erinnerung bleiben. Praggnanandhaa gelang mit seinem historischen Triumph der bislang größte Turniersieg seiner Karriere. Assaubayeva dominierte das Frauenturnier und sicherte sich souverän den Titel.
Gleichzeitig bot das Turnier zahlreiche weitere Geschichten: Carlsens ungewöhnliche Schwächephase, Firouzjas starker Auftakt, Gukeshs schwieriges Heimturnier als Weltmeister und die beeindruckende Stärke der jungen Generation aus Indien.
Am Ende zeigte Norway Chess einmal mehr, warum das Turnier zu den beliebtesten Veranstaltungen des Schachjahres gehört. Klassische Partien auf höchstem Niveau, dramatische Armageddon-Entscheidungen und ein Titelkampf bis zur letzten Runde sorgten für zwei Wochen Spitzenschach, die den Fans noch lange in Erinnerung bleiben werden.




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