Praggnanandhaa gewinnt die Grand Chess Tour 2026 nach beeindruckender Aufholjagd

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Editor: Aditja P.

8/28/2026

Praggnanandhaa gewinnt die Grand Chess Tour 2026 nach beeindruckender Aufholjagd

Der Inder dreht im Finale einen Sechs-Punkte-Rückstand gegen Fabiano Caruana und gewinnt erstmals die Grand Chess Tour

Was für ein Finale in Saint Louis: Praggnanandhaa Rameshbabu hat die Grand Chess Tour 2026 gewonnen und dabei eine der beeindruckendsten Aufholjagden seiner bisherigen Karriere hingelegt. Der 21-jährige Inder lag im Finale gegen Fabiano Caruana zunächst mit sechs Punkten zurück, drehte das Match am entscheidenden Tag jedoch vollständig und setzte sich am Ende mit 15:13 durch. Damit gewinnt Praggnanandhaa erstmals die Gesamtwertung der Grand Chess Tour. Für seinen Triumph erhält er ein Preisgeld von 200.000 US-Dollar.

Caruana hatte im klassischen Teil des Finales zunächst alles unter Kontrolle. Nach seinem Sieg in der ersten Partie führte der Titelverteidiger mit sechs Punkten. Die zweite klassische Begegnung endete nach 95 Zügen remis, sodass Caruana mit einem komfortablen 9:3-Vorsprung in den entscheidenden Schnellschach- und Blitzabschnitt ging. Doch genau dort nahm das Match eine dramatische Wendung.

Caruana startet perfekt

Der Auftakt des Finales hatte aus Sicht des Amerikaners kaum besser laufen können. Caruana gewann die erste klassische Partie mit den weißen Steinen und sicherte sich damit sechs Punkte für die Matchwertung. Praggnanandhaa musste anschließend versuchen, seinen Rückstand in der zweiten Partie zumindest zu verkleinern.

Doch auch dort blieb Caruana zunächst erfolgreich im Sinne seiner Matchstrategie. Nach 95 Zügen einigten sich die beiden Großmeister auf ein Remis. Damit hatte Caruana vor dem letzten Spieltag einen Vorsprung von 9:3. Für Praggnanandhaa war die Situation entsprechend klar: Er musste im Rapid unbedingt punkten, um überhaupt noch eine realistische Chance auf den Gesamtsieg zu besitzen.

Der Modus spielte dem Inder dabei durchaus in die Karten. Ein Sieg im Schnellschach brachte vier Punkte, während ein Erfolg im Blitz mit zwei Punkten gewertet wurde. Praggnanandhaa benötigte also keine Serie kleiner Teilerfolge – er musste im Rapid den großen Umschwung schaffen.

Zwei Rapid-Siege drehen das Match

Praggnanandhaa startete die Aufholjagd mit den weißen Steinen und setzte Caruana bereits aus der Eröffnung heraus unter Druck. Aus einer Ragozin-Variante entstand eine Stellung, in der der Inder die Bauernstruktur seines Gegners schwächen konnte. Caruana geriet zunehmend in Zeitnot, während Praggnanandhaa seinen positionellen Vorteil konsequent ausbaute. Am Ende musste sich der Amerikaner geschlagen geben.

Damit war der Rückstand bereits auf zwei Punkte geschmolzen.

In der zweiten Rapid-Partie spielte Praggnanandhaa mit Schwarz und bekam es mit einer Rossolimo-Variante der Sizilianischen Verteidigung zu tun. Der Inder neutralisierte die weißen Ambitionen zunächst souverän.

Praggnanandhaa nutzte die Gelegenheit sofort. Caruana versuchte anschließend mit einem Figurenopfer Gegenspiel zu erzeugen, doch sein Angriff reichte nicht aus. Kurz darauf gab der Amerikaner auf.

Aus einem 9:3-Rückstand war innerhalb von zwei Schnellschachpartien eine 11:9-Führung für Praggnanandhaa geworden.

Vier Blitzpartien entscheiden über den Titel

Nun lag der Druck auf Caruana. Vier Blitzpartien standen noch auf dem Programm, und der Amerikaner musste mindestens zwei Punkte mehr als sein Gegner holen, um das Match erneut zu drehen.

Die erste Blitzpartie verlief äußerst wechselhaft. Caruana kam zwischenzeitlich zu einem aussichtsreichen Gewinnendspiel, doch Praggnanandhaa konnte sich retten. Die Partie endete durch Zugwiederholung remis.

In der zweiten Begegnung gelang Caruana dann der Ausgleich. Praggnanandhaa geriet in Zeitnot und kassierte seine erste Niederlage des Tages. Damit war das Match wieder völlig offen.

Praggnanandhaa hält dem Druck stand

Die vierte und letzte Blitzpartie entwickelte sich entsprechend dramatisch. Caruana benötigte unbedingt einen Sieg und versuchte von Beginn an, die Partie zu verschärfen. Der Amerikaner kam auch zu vielversprechenden Möglichkeiten, doch ein zu früher Bauernvorstoß verschaffte Praggnanandhaa die nötigen Gegenchancen.

Caruana geriet anschließend in ein schwieriges Turmendspiel. Praggnanandhaa musste allerdings weiterhin präzise spielen, denn ein einziger Fehler hätte das Match erneut öffnen können.

Schließlich fand der Inder ein wichtiges Dauerschach und sicherte sich das Remis. Damit war der Titel entschieden.

Praggnanandhaa gewinnt das Finale mit 15:13.

Ein außergewöhnliches Jahr für Praggnanandhaa

Der Triumph in Saint Louis krönt eine bemerkenswerte zweite Jahreshälfte des jungen Inders. Praggnanandhaa hatte 2026 zunächst einen schwierigen Start. Beim Tata Steel Masters kam er lediglich auf 5,5 Punkte aus 13 Partien, beim Kandidatenturnier erreichte er 6 Punkte aus 14 Partien.

Danach änderte sich jedoch seine Form deutlich.

Bei der Grand Chess Tour in Zagreb teilte er sich den dritten Platz im Schnell- und Blitzschach. Anschließend gewann er Norway Chess, wobei er mit vier Siegen in den klassischen Partien hintereinander einen spektakulären Schlussspurt hinlegte.

Im August folgte der Sieg beim Saint Louis Rapid & Blitz, wo Praggnanandhaa an allen fünf Turniertagen an der Spitze lag. Beim Sinquefield Cup teilte er sich anschließend den ersten Platz mit Wesley So, verlor allerdings den Stichkampf um den Turniersieg.

Der Sieg im Grand-Chess-Tour-Finale stellt nun den Höhepunkt dieser Entwicklung dar.

Wesley So wird Dritter – Keymer auf Platz vier

Im Match um Platz drei trafen Wesley So und Vincent Keymer aufeinander. Auch hier kam es zu einer bemerkenswerten Aufholjagd.

Keymer hatte nach den beiden klassischen Partien und einer gewonnenen Bonus-Blitzpartie zunächst mit 8:6 geführt. In den beiden Rapid-Partien wechselten sich die beiden Spieler mit Siegen ab.

Danach übernahm jedoch So vollständig die Kontrolle. Der US-Amerikaner gewann alle vier Blitzpartien und machte damit aus dem Rückstand einen deutlichen 18:12-Erfolg. So sicherte sich damit Platz drei und ein Preisgeld von 75.000 US-Dollar. Gleichzeitig erhielt er ebenso wie die beiden Finalisten eine automatische Einladung zur Grand Chess Tour 2027.

Für Keymer blieb damit der vierte Platz. Der Deutsche hatte sich mit seinem starken Auftritt beim Sinquefield Cup erstmals für das GCT-Finale qualifiziert und im Halbfinale gegen Praggnanandhaa zunächst eine gute Ausgangsposition geschaffen. Im Finale um Platz drei reichte es trotz des zwischenzeitlichen Vorsprungs nicht zum Podest.

Ein historischer Erfolg

Mit seinem Sieg schreibt Praggnanandhaa zugleich indische Schachgeschichte. Er ist der erste Inder, der die Grand Chess Tour gewinnt. Mit gerade einmal 21 Jahren hat er damit bereits eine beeindruckende Sammlung großer Turniererfolge vorzuweisen.

Besonders bemerkenswert ist die Art und Weise, wie der Titel zustande kam. Praggnanandhaa lag gegen Caruana nach dem klassischen Teil scheinbar aussichtslos zurück. Ein 9:3-Vorsprung in einem Finale gegen einen Spieler wie Caruana lässt normalerweise nur wenig Raum für eine Wende.

Doch zwei Rapid-Siege veränderten das gesamte Match. Anschließend hielt Praggnanandhaa dem Druck im Blitz stand und bewahrte auch in der letzten Partie die notwendige Ruhe.

Damit endet die Grand Chess Tour 2026 mit einem neuen Champion. Praggnanandhaa Rameshbabu gewinnt seinen ersten GCT-Titel, erhält 200.000 US-Dollar und bestätigt mit seinem zweiten großen Turniersieg innerhalb weniger Monate endgültig seinen Platz in der Weltspitze.

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