Neuer Qualifikationsmodus für das Kandidatenturnier 2028: FIDE setzt auf Leistung statt Elo
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Editor: Thomas L.
7/16/2026


Neuer Qualifikationsmodus für das Kandidatenturnier 2028: FIDE setzt auf Leistung statt Elo
Das Kandidatenturnier ist der wichtigste Schritt auf dem Weg zur Schachweltmeisterschaft. Wer sich dort durchsetzt, erhält das Recht, den amtierenden Weltmeister um den höchsten Titel im Schach herauszufordern. Entsprechend groß ist seit Jahrzehnten die Diskussion darüber, welche Spieler sich für dieses prestigeträchtige Turnier qualifizieren sollten. Nun hat der FIDE-Rat die Qualifikationswege für das Kandidatenturnier 2028 sowie das Kandidatinnen-Turnier grundlegend überarbeitet. Ziel der Änderungen ist es, den Weltmeisterschaftszyklus stärker miteinander zu verknüpfen und sportliche Leistungen über einen längeren Zeitraum stärker zu belohnen.
Die wohl größte Neuerung betrifft die Einführung der Total Chess World Championship Tour 2026–2027 als eigenständigen Qualifikationsweg. Die beiden bestplatzierten Spieler der Gesamtwertung dieser neuen Turnierserie erhalten künftig direkt einen Startplatz für das Kandidatenturnier 2028. Damit schafft die FIDE erstmals eine Qualifikationsmöglichkeit, die konstante Spitzenleistungen über mehrere hochklassige Veranstaltungen hinweg honoriert und gleichzeitig die Bedeutung der neuen Tour deutlich aufwertet.
Eine weitere wichtige Änderung betrifft den FIDE World Cup. Während sich im bisherigen Weltmeisterschaftszyklus noch drei Spieler über den World Cup für das Kandidatenturnier qualifizierten, werden ab 2027 nur noch die beiden Finalisten einen direkten Startplatz erhalten. Gleichzeitig hat die FIDE die Nachrückregelungen präzisiert, damit frei werdende Qualifikationsplätze künftig nach klar definierten sportlichen Kriterien vergeben werden können. Dieselben Anpassungen gelten auch für den Women's World Cup.
Besonders kontrovers dürfte die Abschaffung des Qualifikationsplatzes über die Elo-Zahl diskutiert werden. In den vergangenen Zyklen konnte sich ein Spieler allein über seine Durchschnittswertung für das Kandidatenturnier qualifizieren. Dieses System sorgte immer wieder für Diskussionen, da einige Spitzenspieler ihre Wertungszahl durch eine gezielte Turnierplanung schützen konnten. Mit den neuen Regularien entfällt dieser Qualifikationsweg vollständig. Künftig führt der Weg ins Kandidatenturnier ausschließlich über sportliche Ergebnisse in den wichtigsten FIDE-Wettbewerben.
Auch der FIDE Circuit erhält eine neue Struktur. Anstatt wie bisher jährlich einen Qualifikationsplatz zu vergeben, wird künftig der gesamte Zweijahreszeitraum 2026 bis 2027 gewertet. Die beiden erfolgreichsten Spieler des kombinierten FIDE Circuit, die sich noch nicht auf anderem Wege qualifiziert haben, erhalten die verbleibenden beiden Startplätze für das Kandidatenturnier. Dadurch möchte die FIDE langfristig konstante Leistungen stärker belohnen und gleichzeitig die Teilnahme an hochklassigen Turnieren des Circuit attraktiver machen.
Damit stehen die acht Teilnehmer des FIDE-Kandidatenturniers 2028 künftig über vier gleichwertige Qualifikationswege fest. Je zwei Startplätze werden über das FIDE Grand Swiss Tournament 2027, die Total Chess World Championship Tour 2026–2027, den FIDE World Cup 2027 sowie den FIDE Circuit 2026–2027 vergeben. Für das Kandidatinnenturnier 2028 gilt ein nahezu identisches Modell. Dort qualifizieren sich jeweils zwei Spielerinnen über das Women's Grand Swiss, den Women's Grand Prix, den Women's World Cup sowie den Women's Circuit.
FIDE-Präsident Arkady Dvorkovich bezeichnete das neue System als wichtigen Schritt für die Weiterentwicklung des Weltmeisterschaftszyklus. Ziel sei es, den Qualifikationsprozess transparenter und leistungsorientierter zu gestalten. Durch die stärkere Gewichtung von Turniererfolgen und konstanten Ergebnissen über mehrere Veranstaltungen hinweg sollen diejenigen Spieler belohnt werden, die sich über einen längeren Zeitraum auf höchstem Niveau behaupten.
Mit den neuen Regularien verabschiedet sich die FIDE von einem Qualifikationssystem, das in den vergangenen Jahren immer wieder kontrovers diskutiert wurde. Statt einer Elo-Wertung, die nicht zwangsläufig die aktuelle Form widerspiegelt, rücken nun sportliche Leistungen in den Mittelpunkt. Ob sich dieses Modell langfristig bewährt, wird sich erst im Laufe des neuen Weltmeisterschaftszyklus zeigen. Klar ist jedoch schon jetzt: Der Weg zum Kandidatenturnier wird künftig stärker denn je auf dem Schachbrett entschieden.
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