Let's talk about Chess mit Julian Deverell (The Regency Chess Company)
INTERVIEW
Editor: Kaan K.
6/25/2026


Let's talk about Chess mit Julian Deverell (The Regency Chess Company)
Im Juni 2026 habe ich mich mit Julian Deverell, Gründer und Geschäftsführer von The Regency Chess Company (www.regencychess.de), unterhalten. Es ging um die Anfänge des Unternehmens, die Entwicklung der Schachretail-Industrie und natürlich Schachsets. Abschließend gab es noch ein paar persönlichere Fragen rund um das Thema Schach.
Kaan: Julian, du bist der Gründer und Geschäftsführer von The Regency Chess Company. Kannst du uns einen Überblick darüber geben, was The Regency Chess Company ist und wofür ihr steht?
Julian: Ja, absolut. The Regency Chess Company ist ein Online-Retailer für mittlere- bis gehobene Schach-Sets. Wir importieren sehr schöne Schachfiguren und Schachbretter direkt von Herstellern weltweit, zum Beispiel aus Italien, Griechenland, Indien und Deutschland. Diese Sets stellen wir auf unserer Website bereit, die unser primärer Vertriebskanal ist. Wir kombinieren diese Komponenten zu hochwertigen Schach-Sets und bieten unseren Kunden ein sehr gutes Einkaufserlebnis mit hochwertigen Produktbildern, vielen Details zu den Schachartikeln und umfangreichen Informationen.
Wir arbeiten aus einem zentralen Lager in Großbritannien und legen großen Wert darauf, unseren Kunden weltweit einen sehr guten Service zu bieten, wenn sie bei uns ein schönes Schach-Set kaufen möchten.
Kaan: Was hat dich dazu inspiriert, diese Firma zu gründen, und warum gerade Schach?
Julian: Das ist eine gute Frage. Es war 2008, und ich verkaufte damals bereits verschiedene traditionelle Spiele und Spielwaren. Mir ist aufgefallen, dass die Schachbranche relativ klein war und es nur wenige Anbieter gab. Gleichzeitig hatte ich den Eindruck, dass viele Händler die Produkte nicht besonders gut präsentierten.
Ich hatte das Gefühl, dass es auf dem Markt Platz für einen dynamischen, hochwertigen Anbieter gab, der Produkte besser präsentiert und ein besseres Einkaufserlebnis bietet. Der entscheidende Moment kam durch ein Gespräch mit einem indischen Hersteller von Schachfiguren, der zuvor ein Hauptlieferant von House of Staunton war. Diese Partnerschaft endete, und sie suchten einen neuen Vertriebspartner.
So entstand letztlich The Regency Chess Company. Da wir uns von Anfang an darauf konzentrierten, besser zu sein als kleinere Anbieter, hatten wir schnell Erfolg. Innerhalb von 18 Monaten wurden wir zu einem relevanten Akteur im Online-Schachmarkt, und seitdem ist das Unternehmen stetig gewachsen.
Kaan: Warum ausgerechnet Schach? Hattest du eine persönliche Verbindung zum Spiel?
Julian: Eigentlich gar nicht. Ich hatte vor 2008 keine besondere Beziehung zu Schach. Ich habe einfach eine Marktlücke gesehen und fand die Produkte sehr ansprechend. Ich wollte etwas verkaufen, dem ich vertraue und hinter dem ich stehen kann.
Als ich diese hochwertigen Schachsets sah, dachte ich, dass sie sich hervorragend verkaufen lassen würden. Es war also keine Leidenschaft für Schach selbst, sondern eher eine geschäftliche Chance, die ich erkannt habe.
Kaan: Hat sich der Schachmarkt seit 2008 verändert?
Julian: Ja, definitiv. Wie sich das Internet insgesamt verändert hat, hat sich auch der Online-Schachmarkt stark verändert. Es gibt heute deutlich mehr Anbieter und Wettbewerber.
Auch die Hersteller – zum Beispiel in Indien – verkaufen zunehmend direkt. Insgesamt haben sich die Standards deutlich verbessert. Gleichzeitig ist der Markt viel kompetitiver geworden.
Durch Plattformen wie Amazon und Shopify hat sich die gesamte Struktur des Online-Handels stark verändert. Der Markt heute ist ein völlig anderer als 2008.
Kaan: Welche Rolle haben Online-Schach und digitale Plattformen für dein Geschäft gespielt?
Julian: Sie hatten einen sehr positiven Effekt. Online-Schach hat das Interesse am Spiel insgesamt stark gesteigert. Der Markt ist deutlich größer geworden.
Manche sagen, dass Menschen kein physisches Schachset mehr brauchen, weil sie online spielen können. Ich sehe das anders: Gerade das Online-Spiel hat das Interesse erhöht und führt oft dazu, dass Menschen sich anschließend ein physisches Schachset kaufen.
Kaan: Was hältst du von der Serie The Queen’s Gambit? Hatte die Veröffentlichung Auswirkungen auf euer Geschäft?
Julian: Massiv – ja, definitiv. Als The Queen’s Gambit 2020 auf Netflix erschien, hat sich unser Geschäft komplett verändert. Die Nachfrage ist extrem gestiegen.
Wir hatten zeitweise über 1.000 offene Bestellungen und haben in zwei Monaten fast eine Million Pfund Umsatz mit Schachsets gemacht. Besonders im Herbst 2020 und über Weihnachten sowie Anfang 2021 war die Nachfrage außergewöhnlich hoch.
Die Serie hat das Interesse am Schach weltweit stark gesteigert. Es war ein enormer, aber auch sehr positiver Effekt für die gesamte Branche.
Kaan: War das nur ein kurzfristiger Effekt?
Julian: Ich denke ja. Der starke Effekt hielt ungefähr 18 Monate an, mit dem Höhepunkt direkt zu Beginn. Danach ist die Nachfrage wieder zurückgegangen. Heute ist dieser Effekt weitgehend verschwunden.
Kaan: Warum werden physische Schachsets heute noch gekauft, obwohl man online spielen kann?
Julian: Ich denke, aus mehreren Gründen. Zum einen ist das Erlebnis ein völlig anderes. Wenn man mit einer Person am selben Tisch spielt, entsteht eine soziale und physische Interaktion, die online fehlt.
Außerdem ist ein physisches Schachset für viele Menschen ein ästhetisches Objekt – etwas, das man besitzt, benutzt oder auch als Dekoration schätzt. Viele Kunden beschreiben auch, dass ein echtes Schachset ihnen hilft, das Spiel besser zu verstehen, weil es dreidimensional und greifbar ist.
Kaan: Spielst du selbst Schach?
Julian: Nicht wirklich. Ich habe als Kind im Schulschach gespielt als ich 8 Jahre alt war, aber ich war nie besonders gut. Seitdem spiele ich kaum noch.
Um deine Frage zu beantworten: Mein Fokus liegt vollständig auf den Produkten. Ich arbeite mit Schach, aber ich spiele es selbst nicht aktiv.
Kaan: Hast du zu Hause Schachsets?
Julian: Ja, wir haben ein Schachset zu Hause – hauptsächlich als dekoratives Objekt. Es sieht einfach sehr schön aus. Mehr Schachsets besitzen wir privat nicht.
Kaan: Hast du ein Lieblings-Schachset?
Julian: Ja, das Old English Elite Staunton-Set. Es ist sehr traditionell, elegant und nicht zu dekorativ. Es war eines der ersten Sets, die wir verkauft haben, und hat für uns eine besondere Bedeutung. Seit dem ersten Tag hatten wir dieses Set zum Verkauf angeboten.
Es ist aus Ebenholz und Buchsbaum gefertigt und ein klassisches viktorianisches Staunton-Design. Dieses Set gehört definitiv zu meinen Favoriten.
Kaan: Hast du einen Lieblingsschachspieler?
Julian: Nicht wirklich. Aber wenn ich jemanden nennen müsste, dann Bobby Fischer – vor allem wegen seiner Geschichte und der politischen Dimension seiner Zeit. Seine Persönlichkeit und sein Einfluss auf die 1970er-Jahre sind sehr faszinierend.
Kaan: Was hältst du von verschiedenen Schachformaten wie Blitz, Rapid und Klassik?
Julian: Ich denke, Rapid- und Blitzformate haben dazu beigetragen, Schach zugänglicher und zuschauerfreundlicher zu machen. Klassisches Schach kann sehr lang und für Zuschauer manchmal wenig dynamisch sein.
Ich unterstütze alles, was mehr Menschen für Schach begeistert.
Kaan: Online-Schach oder Schach am Brett?
Julian: Ganz klar Schach am Brett. Es hat eine persönliche Komponente, die online fehlt. Es ist ein soziales Erlebnis, oft verbunden mit einer angenehmen Atmosphäre – zum Beispiel bei einem Kaffee oder auch Tee.
Kaan: Welches Material bevorzugst du bei Schachsets?
Julian: Definitiv Holz. Holz-Schachsets haben eine bessere Balance, Haptik und auch Tradition. Besonders das klassische Staunton-Design aus dem 19. Jahrhundert ist aus meiner Sicht bis heute nicht übertroffen worden.
Kaan: Vielen Dank für deine Zeit und das Interview.
Julian: Sehr gerne.
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