Le Quang Liem übernimmt das Kommando – Klassisches Schach beginnt in Biel
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Editor: Thomas L.
7/17/2026


Le Quang Liem übernimmt das Kommando – Klassisches Schach beginnt in Biel
Nach einem spektakulären Auftakt mit Chess960 und Rapid stand beim 59. Bieler Schachfestival erstmals das klassische Schach im Mittelpunkt. Die erste Runde der klassischen Phase brachte in beiden Einladungsturnieren jeweils nur eine entschiedene Partie hervor, dennoch bot der vierte Turniertag reichlich Spannung. Vor allem Le Quang Liem nutzte seine Chance, um sich im Masters Triathlon an die Spitze des Feldes zu setzen, während in der Generations Challenge Alexandra Kosteniuk ihre ganze Routine ausspielte.
Im Masters traf der deutsche Großmeister Matthias Blübaum auf das türkische Wunderkind Yağız Kaan Erdoğmuş. Die Partie entwickelte sich zu einem strategischen Duell, in dem beide Spieler lange Zeit auf Augenhöhe agierten. Gegen Ende geriet der erst 15-jährige Erdoğmuş jedoch erheblich unter Zeitdruck und musste mehrere präzise Züge finden, um die Stellung im Gleichgewicht zu halten. Der junge Türke meisterte diese schwierige Aufgabe beeindruckend und rettete das Remis, womit beide Spieler ihre ersten klassischen Punkte im Triathlon verbuchen konnten.
Die einzige Gewinnpartie des Masters gelang Le Quang Liem. Der dreifache Biel-Sieger setzte sich mit den weißen Steinen gegen José Eduardo Martínez Alcántara durch und unterstrich einmal mehr, warum er seit Jahren zu den erfolgreichsten Spielern des Festivals gehört. Der Vietnamese baute geduldig Druck auf, erspielte sich im Mittelspiel kleine positionelle Vorteile und verwertete diese im Endspiel souverän. Mit diesem Erfolg übernahm er zugleich die Führung in der Gesamtwertung des Masters Triathlon und verschaffte sich eine ausgezeichnete Ausgangsposition für die kommenden klassischen Runden.
Die dritte Begegnung zwischen Levon Aronian und Aydin Suleymanli endete friedlich. Beide Spieler lieferten sich ein ausgeglichenes Duell, in dem sich keiner entscheidende Vorteile erarbeiten konnte. Nach einer kontrollierten Partie einigten sie sich auf Remis, wodurch Aronian den Kontakt zur Spitze hielt, während Suleymanli erneut bewies, dass er auch gegen absolute Weltklassespieler konkurrenzfähig ist.
Auch in der Generations Challenge fiel lediglich eine Entscheidung. Die ehemalige Frauenweltmeisterin Alexandra Kosteniuk demonstrierte ihre enorme Erfahrung und besiegte die US-Amerikanerin Carissa Yip. Kosteniuk verstand es, kleine Ungenauigkeiten ihrer Gegnerin konsequent auszunutzen und den Vorteil Schritt für Schritt auszubauen. Mit diesem Erfolg setzte sie ein erstes Ausrufezeichen im Kampf um den Turniersieg.
Wesentlich dramatischer verlief die Begegnung zwischen Vaishali Rameshbabu und Xiao Tong. Auch hier spielte die Zeit eine entscheidende Rolle. Vaishali musste in hochkomplizierter Stellung mehrere präzise Züge in kürzester Zeit finden, meisterte diese kritische Phase jedoch erfolgreich und sicherte sich schließlich ein verdientes Remis. Ebenfalls ohne Sieger endete die Partie zwischen den beiden Nachwuchstalenten Marco Materia und Václav Finek, die sich nach ausgeglichenem Verlauf die Punkte teilten.
Parallel dazu wurde auch das Masters Open fortgesetzt. Dort sorgte insbesondere Christian Glöckler für Aufmerksamkeit. Der deutsche Internationale Meister, der zu den aussichtsreichen Kandidaten auf eine Großmeisternorm zählt, musste bereits früh im Turnier einen halben Punkt abgeben und verlor damit etwas an Boden im Kampf um die Spitzenplätze. Dennoch bleibt das traditionsreiche Open angesichts der zahlreichen verbleibenden Runden völlig offen.
Mit dem Beginn der klassischen Phase nimmt das Bieler Schachfestival nun endgültig Fahrt auf. Während Rapid- und Chess960-Partien häufig von Dynamik und Zeitdruck geprägt sind, verlangen die langen Bedenkzeiten nun tiefere Vorbereitung, präzises Positionsspiel und höchste Konzentration. Le Quang Liem hat sich nach seinem Auftaktsieg in eine hervorragende Ausgangslage gebracht, doch mit Levon Aronian, Matthias Blübaum und den weiteren Verfolgern lauert ein hochkarätiges Feld auf jede sich bietende Gelegenheit.
Die kommenden Runden versprechen deshalb weitere spannende Duelle. Im traditionsreichen Biel entscheidet sich der Gesamtsieg schließlich nicht in einer einzigen Disziplin, sondern in der Fähigkeit, über Blitz, Rapid und klassisches Schach hinweg konstant Weltklasseleistungen abzurufen – genau das macht den einzigartigen Reiz des Bieler Triathlon-Formats aus.
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