Le Quang Liem startet erfolgreich in die klassische Phase – Kurioser Zwischenfall in Biel
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Editor: Aditja P.
7/15/2026


Le Quang Liem startet erfolgreich in die klassische Phase – Kurioser Zwischenfall in Biel
Nach dem Eröffnungstag im Chess960, den Rapid-Partien und einem spielfreien Tag begann beim 59. Bieler Schachfestival nun die klassische Phase des traditionsreichen Triathlon-Formats. Sowohl im Masters als auch in der Generations Challenge fiel jeweils nur eine Entscheidung, dennoch bot der Turniertag zahlreiche spannende Momente – und sogar eine kuriose Szene, wie sie auf diesem Niveau nur äußerst selten vorkommt.
Im Masters-Turnier setzte Le Quang Liem gleich zum Auftakt ein Ausrufezeichen. Der dreimalige Biel-Sieger traf mit den weißen Steinen auf José Eduardo Martínez Alcántara und präsentierte sich von Beginn an hervorragend vorbereitet. Während der Vietnamese seine ersten 22 Züge in weniger als einer Viertelstunde ausführte, verbrauchte Martínez bereits rund 80 Minuten seiner Bedenkzeit, um den Eröffnungsproblemen standzuhalten.
Mit dem komfortablen Zeitvorteil und einer zunehmend angenehmeren Stellung übernahm Le Quang Liem Schritt für Schritt die Kontrolle. Im Endspiel ließ der 34-Jährige nichts mehr anbrennen und verwandelte seinen Vorteil nach nur 36 Zügen souverän in einen vollen Punkt. Durch den Sieg setzte sich der Vietnamese an die Spitze der Masters-Wertung und untermauerte einmal mehr seinen Ruf als einer der erfolgreichsten Spieler in der Geschichte des Bieler Festivals.
Die beiden übrigen Begegnungen des Masters endeten friedlich. Levon Aronian und Aydin Suleymanli lieferten sich ein ausgeglichenes Duell, in dem sich keiner der beiden entscheidende Vorteile erspielt konnte. Auch Matthias Blübaum und das türkische Ausnahmetalent Yağız Kaan Erdoğmuş teilten nach einer umkämpften Partie den Punkt. Für den erst 15-jährigen Erdoğmuş war das Remis gegen den deutschen Spitzengroßmeister ein weiterer Beleg dafür, dass er inzwischen auch gegen etablierte Weltklassespieler problemlos mithalten kann.
Nicht weniger interessant verlief die erste klassische Runde der Generations Challenge. Alexandra Kosteniuk zeigte gegen Carissa Yip ihre ganze Routine. Die ehemalige Frauenweltmeisterin übernahm im Mittelspiel zunehmend die Initiative und nutzte kleine Ungenauigkeiten ihrer Gegnerin konsequent aus. Am Ende stand ein verdienter Sieg, mit dem Kosteniuk einen perfekten Start in den klassischen Teil des Wettbewerbs hinlegte.
Besonders dramatisch entwickelte sich die Partie zwischen Vaishali Rameshbabu und Xiao Tong. Die indische Großmeisterin erspielte sich im Mittelspiel einen klaren Vorteil und gewann eine Leichtfigur. Doch während ihre Stellung immer besser wurde, geriet ihre Uhr zunehmend in Bedrängnis. Um die Zeitkontrolle nach dem 40. Zug zu erreichen, musste sie ihre letzten sechs Züge in weniger als einer Minute absolvieren. Als sie schließlich den rettenden 40. Zug ausführte, verblieben ihr gerade einmal sechs Sekunden auf der Uhr. Trotz ihrer Gewinnchancen gelang es ihr anschließend nicht mehr, den Vorteil zu verwerten, sodass die Partie schließlich mit einem Remis endete.
Für die kurioseste Szene des Tages sorgten jedoch die beiden Nachwuchsspieler Marco Materia und Václav Finek. Nach einer ausgeglichenen Partie einigten sich beide bereits nach 27 Zügen auf Remis und begannen sogar damit, ihre Figuren einzupacken. Dabei hatten sie allerdings eine Besonderheit der Bieler Turnierordnung übersehen: Um kämpferisches Schach zu fördern, sind Remisvereinbarungen vor dem 40. Zug ausdrücklich verboten.
Die Schiedsrichter griffen ein, die bereits beiseitegelegten Figuren mussten wieder auf das Brett gestellt werden und beide Spieler nahmen ihre Plätze erneut ein. Erst nachdem sie weitere Züge gespielt und die vorgeschriebene Zugzahl erreicht hatten, durften sie sich schließlich offiziell auf ein Remis einigen. Eine Szene, die selbst erfahrene Turnierbeobachter nur äußerst selten erleben.
Mit dem Beginn der klassischen Partien nimmt das Bieler Schachfestival nun endgültig Fahrt auf. Während Chess960 und Rapid bereits erste Fingerzeige lieferten, werden die kommenden Runden mit ihrer deutlich höheren Punktewertung entscheidend für den Ausgang des Masters Triathlon sein. Le Quang Liem hat sich mit seinem Auftaktsieg in eine ausgezeichnete Ausgangsposition gebracht, doch mit Levon Aronian, Matthias Blübaum und den weiteren Verfolgern lauert ein hochklassiges Feld darauf, jede sich bietende Gelegenheit zu nutzen. Die zweite klassische Runde verspricht daher bereits die nächsten richtungsweisenden Duelle.
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