How to Win at Chess: The Ultimate Guide for Beginners and Beyond

REVIEW

Editor: Kaan K.

4/27/2026

Vom YouTube-Brett ins Bücherregal: Levy Rozman und sein Schachbuch

Wer sich in den letzten Jahren auch nur ansatzweise mit Online-Schach beschäftigt hat, kommt an Levy Rozman kaum vorbei. Unter dem Namen „GothamChess“ betreibt er einen der erfolgreichsten Schachkanäle auf YouTube. Millionen Zuschauer verfolgen dort seine Analysen, Reaktionsvideos und Lehrinhalte. Rozman hat ein Gespür dafür, komplizierte Stellungen verständlich zu machen – oft mit einer Mischung aus Humor, Direktheit und einem sehr klaren Blick für typische Fehler von Anfängern.

Genau dieses Erfolgsrezept überträgt er in sein Buch.

Ein Lehrbuch, oder doch nicht?

Mit How to Win at Chess: The Ultimate Guide for Beginners and Beyond legt Rozman kein klassisches Schachlehrwerk vor. Wer endlose Variantenbäume oder tiefgehende Theoriekapitel erwartet, wird überrascht sein – und vermutlich auch ein wenig erleichtert.

Stattdessen geht es hier um etwas anderes: ums Verstehen. Und ums Gewinnen.

Das Buch richtet sich klar an Einsteiger und Spieler im unteren bis mittleren Ratingbereich. Entsprechend ist auch der Aufbau gehalten. Die ersten Kapitel widmen sich den absoluten Grundlagen – Figuren, Prinzipien, einfache Taktiken. Später wird es etwas anspruchsvoller, ohne jemals wirklich abstrakt zu werden.

Schreiben wie im Video – und das ist Absicht

Was sofort auffällt: Der Ton ist ungewohnt locker für ein Schachbuch. Rozman schreibt, wie er spricht. Direkt, manchmal pointiert, gelegentlich augenzwinkernd.

Das hat einen Effekt, den viele klassische Lehrbücher nicht erreichen: Man bleibt dran. Die Hemmschwelle, sich mit dem Material zu beschäftigen, ist niedrig. Statt trockener Theorie entsteht eher das Gefühl, jemand sitze neben einem und erkläre geduldig, worauf es wirklich ankommt.

Dabei verzichtet das Buch bewusst auf Überfrachtung. Es geht nicht darum, alles zu wissen – sondern das Richtige.

Fokus auf das, was am Brett passiert

Seine größte Stärke spielt das Buch dort aus, wo viele Anfänger tatsächlich Probleme haben: in der Praxis.

Rozman zeigt typische Fehlerbilder, wie sie in echten Partien ständig vorkommen. Ungedeckte Figuren, übersehene Taktiken, planloses Spiel in der Eröffnung – all das wird nicht abstrakt erklärt, sondern konkret aufgegriffen.

Die vielen Diagramme helfen dabei, die Positionen schnell zu erfassen. Man liest nicht nur, man „sieht“ die Ideen. Das macht das Buch besonders zugänglich – auch für Leser, die noch nicht daran gewöhnt sind, längere Varianten im Kopf zu berechnen.

Zwischen Coaching und Buch

Stellenweise fühlt sich How to Win at Chess weniger wie ein klassisches Buch an, sondern eher wie eine verlängerte Coaching-Session.

Rozman denkt laut, erklärt Entscheidungsprozesse und zeigt, wie man sich am Brett orientiert. Es geht weniger um Perfektion als um Verbesserung. Genau das dürfte für viele Leser der entscheidende Punkt sein.

Grenzen des Konzepts

So überzeugend der Ansatz ist, er hat auch seine Grenzen. Wer bereits auf fortgeschrittenem Niveau spielt, wird hier nicht dauerhaft gefordert. Dafür fehlt es an Tiefe, an konkreter Theorie, an komplexeren strategischen Konzepten.

Auch der sehr lockere Ton ist Geschmackssache. Nicht jeder wird sich mit diesem Stil anfreunden können – vor allem Leser, die eher klassische, sachliche Lehrbücher bevorzugen.

Fazit

How to Win at Chess: The Ultimate Guide for Beginners and Beyond ist kein Buch für Puristen. Es ist ein Buch für Spieler, die besser werden wollen – ohne sich durch trockene Theorie kämpfen zu müssen.

Levy Rozman gelingt etwas, das im Schachbereich selten ist: Er holt Anfänger genau dort ab, wo sie stehen, und zeigt ihnen einen realistischen Weg nach vorne. Nicht über Perfektion, sondern über Verständnis.

Und vielleicht ist genau das der Grund, warum dieses Buch so gut funktioniert.

Quelle: How To win at Chess, Levy Rozman (2023)