FIDE-Wahlkampf: Erstes Duell der drei Präsidentschaftskandidaten steht bevor
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Editor: Toni G.
9/5/2026


FIDE-Wahlkampf: Erstes Duell der drei Präsidentschaftskandidaten steht bevor
Jan Henric Buettner, Wadim Rosenstein und Timur Turlov treffen am 9. September in einer öffentlichen Debatte aufeinander. Wenige Wochen vor der FIDE-Präsidentenwahl geht es um die Zukunft des Weltschachbundes.
Der Wahlkampf um die Präsidentschaft des Weltschachbundes FIDE geht in die entscheidende Phase. Am 9. September werden die drei Kandidaten Jan Henric Buettner, Wadim Rosenstein und Timur Turlov erstmals gemeinsam in einer öffentlichen Debatte auftreten. Ausgerichtet wird die Veranstaltung von Chess.com, moderiert wird sie vom US-Großmeister Maurice Ashley. Die Diskussion wird live übertragen und soll der Schachöffentlichkeit erstmals die Möglichkeit geben, die drei Bewerber unmittelbar miteinander zu vergleichen.
Die Debatte findet nur 17 Tage vor der eigentlichen Wahl statt. Die Delegierten der FIDE-Mitgliedsverbände werden am 26. September während der Generalversammlung in Samarkand, Usbekistan, über die neue Führung des Weltschachbundes entscheiden. Damit kommt dem Aufeinandertreffen der drei Kandidaten eine besondere Bedeutung zu.
Drei Kandidaten, drei unterschiedliche Profile
Jan Henric Buettner ist als Unternehmer und Gründer von Freestyle Chess in den vergangenen Jahren zu einer wichtigen Figur im internationalen Schach geworden. Bekannt wurde er insbesondere durch den Freestyle Chess G.O.A.T. Challenge 2024 im Weissenhaus Resort. Anschließend entwickelte sich Freestyle Chess unter seiner Führung zu einer internationalen Turnierserie, für die nach Angaben von Chess.com mehr als 27 Millionen Dollar an Investitionen eingeworben wurden.
In seinem Wahlprogramm stellt Buettner unter anderem eine stärkere Rolle der nationalen Verbände, mehr Transparenz und eine bessere Governance bei der FIDE in den Mittelpunkt. Hinzu kommen neue kommerzielle Partnerschaften, Schach in Schulen, eine stärkere Förderung von Frauen und Schachnationen außerhalb der traditionellen Zentren sowie Investitionen in digitale Strukturen. Gemeinsam mit seinem Kandidaten für das Amt des Vizepräsidenten, Malcolm Pein, hat Buettner zudem angekündigt, einen Teil der FIDE-Einnahmen an die Mitgliedsverbände weitergeben zu wollen.
Der zweite deutsche Kandidat ist Wadim Rosenstein. Der Unternehmer ist vor allem durch die von ihm unterstützten WR Chess Masters und weitere internationale Schachprojekte bekannt geworden. Rosenstein spielte auch eine wichtige Rolle bei der Entwicklung der heutigen FIDE-Weltmeisterschaft für Mannschaften im Schnell- und Blitzschach. Der 35-Jährige ist der jüngste der drei Bewerber und tritt gemeinsam mit dem Unternehmer Gordon Tang an.
Rosensteins Kampagne setzt auf eine stärkere und professionellere Führung der FIDE. Zu den angekündigten Schwerpunkten gehören eine moderne digitale Infrastruktur, zusätzliche Sponsoren und Investitionen sowie eine engere Zusammenarbeit mit den nationalen Verbänden. Rosenstein ist derzeit Delegierter des Deutschen Schachbundes bei der FIDE.
Der dritte Bewerber ist Timur Turlov. Der in Moskau geborene kasachische Unternehmer ist Gründer und Vorstandsvorsitzender von Freedom Holding sowie Präsident des Kasachischen Schachverbandes. Sein Unternehmen zählt zu den wichtigsten Sponsoren der FIDE, während Kasachstan in den vergangenen Jahren zahlreiche bedeutende internationale Schachveranstaltungen ausgerichtet hat. Turlov tritt gemeinsam mit dem früheren Weltmeister Viswanathan Anand als Kandidat für den Vizepräsidenten an.
Turlov war ursprünglich als Kandidat für das Amt des FIDE-Vizepräsidenten im Team von Arkadi Dvorkowitsch vorgesehen. Nachdem Dvorkowitsch im Zusammenhang mit EU-Sanktionen seine Amtsgeschäfte vorübergehend ruhen ließ, entschied sich Turlov jedoch für eine eigene Präsidentschaftskandidatur. Anand wechselte daraufhin an seine Seite.
Wahlkampf unter besonderen Vorzeichen
Die diesjährige FIDE-Wahl unterscheidet sich damit deutlich von den vergangenen Wahlen. Dvorkowitsch hatte zunächst selbst eine dritte Amtszeit angestrebt. Nachdem er seine Amtsgeschäfte im Sommer aufgrund der gegen ihn verhängten EU-Sanktionen aussetzte, übernahm Anand vorübergehend die Aufgaben des FIDE-Präsidenten. Turlov, der ursprünglich als Dvorkowitschs Stellvertreter kandidieren sollte, machte anschließend selbst den Schritt an die Spitze des Wahlkampfes.
Eine dritte Amtszeit Dvorkowitschs wurde zudem erst durch eine Änderung der FIDE-Regularien möglich. Die ursprünglich von Dvorkowitsch selbst eingeführte Begrenzung auf zwei Amtszeiten war 2023 von der Generalversammlung mit deutlicher Mehrheit abgeschafft worden.
Inzwischen ist der Wahlkampf zusätzlich von Auseinandersetzungen zwischen den drei Lagern geprägt. Alle drei Wahlkampfteams haben bei der FIDE-Wahlkommission Beschwerden gegen mindestens einen ihrer Konkurrenten eingereicht. Dabei geht es unter anderem um die Zulässigkeit der Kandidaturen und um Fragen zur Staatsbürgerschaft Turlovs. Die Wahlkommission muss die entsprechenden Verfahren vor dem Wahltermin abschließen.
Maurice Ashley moderiert
Die Debatte am 9. September soll trotz der aufgeheizten politischen Atmosphäre möglichst gleiche Bedingungen für alle drei Kandidaten schaffen. Maurice Ashley wird die Diskussion moderieren und die Fragen stellen. Zusätzlich sollen Fragen aus der Chess.com-Community berücksichtigt werden. Die Kandidaten erhalten die Fragen nach Angaben des Veranstalters nicht vorab. Außerdem ist vorgesehen, allen drei Bewerbern die gleiche Redezeit einzuräumen.
Nach kurzen Eröffnungsstatements soll Ashley die Kandidaten zu zentralen Themen der internationalen Schachpolitik befragen. Damit dürfte es unter anderem um die Zukunft der FIDE, die Finanzierung des Verbandes, die Rolle der nationalen Föderationen, Digitalisierung, Sponsoring und die weitere Entwicklung des weltweiten Schachs gehen.
Für die drei Kandidaten ist die Veranstaltung eine wichtige Gelegenheit, ihre Programme unmittelbar vor einem internationalen Publikum zu präsentieren. Für die Schachgemeinschaft wiederum bietet die Debatte die seltene Möglichkeit, unterschiedliche Vorstellungen über die Zukunft des Weltschachbundes direkt miteinander zu vergleichen.
Nur gut zwei Wochen später werden die Delegierten in Samarkand entscheiden, welcher Kandidat künftig an der Spitze der FIDE stehen soll. Das Duell bei Chess.com dürfte deshalb zu den wichtigsten öffentlichen Terminen des Wahlkampfs gehören.
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