FIDE reformiert den World Cup: Neues Turnierformat ab 2027 beschlossen

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Editor: Aditja P.

7/18/2026

FIDE reformiert den World Cup: Neues Turnierformat ab 2027 beschlossen

Der FIDE World Cup gehört seit Jahren zu den prestigeträchtigsten Turnieren des internationalen Schachkalenders. Für viele Großmeister ist er nicht nur eine der wichtigsten Titelchancen des Jahres, sondern zugleich ein entscheidender Baustein auf dem Weg zum Kandidatenturnier und damit zur Weltmeisterschaft. Nun hat der FIDE-Rat eine umfassende Reform beschlossen: Ab 2027 werden sowohl der World Cup als auch der Women's World Cup in einem völlig neuen Format ausgetragen. Ziel der Änderungen ist es, die Wettbewerbe kompakter, attraktiver und zugleich inklusiver zu gestalten.

Die bisherige Struktur basierte seit 2005 auf einem klassischen K.-o.-System. Im Laufe der Jahre wuchsen die Teilnehmerfelder jedoch stetig an. Zuletzt gingen beim offenen World Cup 206 Spieler an den Start, während das Teilnehmerfeld des Women's World Cup auf mehr als 100 Spieler angewachsen war. Gleichzeitig verlängerte sich die Turnierdauer auf fast vier Wochen – ein erheblicher organisatorischer Aufwand für Spieler, Veranstalter und den internationalen Turnierkalender. Mit der nun beschlossenen Reform möchte die FIDE diesen Herausforderungen begegnen.

Die größte Neuerung ist die Einführung eines zweistufigen Turnierformats. Künftig beginnt der World Cup mit einer Schweizer Vorrunde. Im offenen Wettbewerb werden die 224 Teilnehmer in vier Gruppen eingeteilt, während der Women's World Cup mit 128 Spielerinnen in zwei Gruppen startet. Innerhalb dieser Gruppen werden jeweils neun Runden nach Schweizer System gespielt. Als Bedenkzeit kommt ein sogenanntes Fast Classical-Format mit 45 Minuten pro Spieler sowie einem Zeitbonus von 30 Sekunden pro Zug zum Einsatz.

Nach Abschluss der Vorrunde qualifizieren sich die jeweils vier bestplatzierten Spieler jeder Gruppe – beziehungsweise die besten acht Spielerinnen jeder Frauengruppe – für die Endrunde. Dort kehrt das Turnier zum bewährten K.-o.-Modus zurück. Ab dem Achtelfinale werden die Begegnungen wie bisher mit klassischen Partien und gegebenenfalls Schnell- und Blitzstichkämpfen entschieden. Zwischen der Schweizer Vorrunde und der K.-o.-Phase ist ein Ruhetag vorgesehen, hinzu kommen zwei weitere Ruhetage während der Finalphase. Dadurch verkürzt sich die Gesamtdauer des Turniers auf 19 Tage und damit deutlich gegenüber den bisherigen Austragungen.

Mit der Reform wächst gleichzeitig auch das Teilnehmerfeld. Der offene World Cup wird von 206 auf 224 Spielererweitert, der Women's World Cup von 103 auf 128 Teilnehmerinnen. Die zusätzlichen Startplätze sollen vor allem Spielern aus bislang unterrepräsentierten Regionen zugutekommen und den Wettbewerb international noch breiter aufstellen. Die Zahl der kontinentalen Qualifikationsplätze wird deshalb erhöht, außerdem entstehen neue Qualifikationswege über den FIDE Circuit, die Total Chess World Championship Tour sowie das Grand Swiss. Neu ist zudem ein Startplatz für den bestplatzierten Seniorenspieler der Weltrangliste.

Auch finanziell wird das Turnier aufgewertet. Der gesamte Preisfonds für beide Wettbewerbe steigt von bislang 2,67 Millionen US-Dollar auf 3,3 Millionen US-Dollar. Während das Preisgeld für die Turniersieger unverändert bleibt, profitieren insbesondere Spieler, die in den früheren Turnierphasen ausscheiden. Damit möchte die FIDE den World Cup für das gesamte Teilnehmerfeld attraktiver machen und den gestiegenen sportlichen Anforderungen Rechnung tragen.

FIDE-Präsident Arkady Dvorkovich sieht in der Reform einen wichtigen Schritt für die Zukunft des Wettbewerbs. Das neue Format solle die Identität des World Cups bewahren und gleichzeitig den Anforderungen des modernen Spitzenschachs gerecht werden. Die Kombination aus Schweizer Vorrunde und K.-o.-Finalrunde ermögliche allen Teilnehmern deutlich mehr Partien und verbessere das Turniererlebnis, ohne den besonderen Charakter des Wettbewerbs zu verlieren. Gleichzeitig eröffne die Erweiterung des Teilnehmerfeldes mehr Spielern aus allen Kontinenten die Chance, sich auf einer der größten Bühnen des Schachsports zu präsentieren.

Die Änderungen dürften in der Schachwelt unterschiedlich aufgenommen werden. Befürworter begrüßen die kürzere Turnierdauer, die höhere Zahl garantierter Partien und die größere Chancengleichheit für alle Teilnehmer. Kritische Stimmen weisen dagegen darauf hin, dass gerade das traditionelle K.-o.-Format mit seinen Überraschungen und Außenseitersiegen einen wesentlichen Teil des Reizes des World Cups ausmachte. Ob die neue Kombination aus Schweizer System und Finalrunde den gleichen Nervenkitzel erzeugen kann, wird sich erst bei der Premiere im Jahr 2027 zeigen.

Fest steht jedoch schon jetzt: Mit der Reform vollzieht die FIDE einen der größten Eingriffe in die Geschichte des World Cups seit der Einführung des K.-o.-Formats vor über zwanzig Jahren. Das Turnier bleibt ein zentraler Bestandteil des Weltmeisterschaftszyklus – künftig allerdings mit einer deutlich veränderten Struktur.

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