Dragon Chilling übernimmt die Führung – Asiatische Teams prägen die Schach-WM in Hongkong
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Editor: Aditja P.
6/19/2026


Dragon Chilling übernimmt die Führung – Asiatische Teams prägen die Schach-WM in Hongkong
Die FIDE World Rapid and Blitz Team Championships 2026 haben in Hongkong bereits nach den ersten Spieltagen für zahlreiche Geschichten gesorgt. Während die Weltelite im Queen Elizabeth Stadium um einen der prestigeträchtigsten Mannschaftstitel des Jahres kämpft, zeichnet sich zunehmend ein Trend ab: Die asiatischen Teams geben bei der diesjährigen Ausgabe den Ton an.
Nach acht von zwölf Runden im Rapid-Wettbewerb führt das chinesische Team Dragon Chilling das Feld an. Mit 14 von 16 möglichen Mannschaftspunkten setzte sich die Mannschaft um den ehemaligen Weltmeister Ding Liren an die Spitze und präsentierte sich bislang als das konstanteste Team des Turniers. Dahinter folgt das indische Team MGD1 mit 13 Punkten, während Barys auf Rang drei liegt. Die vor dem Turnier als Topfavoriten gehandelten Spieler von WR Chess hingegen fanden bislang nicht zu ihrer gewohnten Dominanz und mussten bereits mehrere Rückschläge hinnehmen.
Die vierte Auflage der Mannschaftsweltmeisterschaft wird erstmals in Ostasien ausgetragen. Mehr als 40 Teams und über 300 Spieler aus aller Welt sind nach Hongkong gereist, um in dem einzigartigen Format anzutreten, das Großmeister, Frauen, Nachwuchsspieler und Amateure in einer gemeinsamen Mannschaft vereint. Gerade diese Mischung verleiht dem Wettbewerb seinen besonderen Charakter und sorgt regelmäßig für unerwartete Ergebnisse.
Im Mittelpunkt des Geschehens stand am zweiten Spieltag vor allem die starke Vorstellung der chinesischen Mannschaft. Dragon Chilling überzeugte nicht nur an den Spitzenbrettern, sondern punktete auch auf den hinteren Positionen bemerkenswert zuverlässig. Mit Ding Liren, Wei Yi und weiteren chinesischen Spitzenspielern verfügt das Team über eine enorme Tiefe, die sich bislang als entscheidender Vorteil erweist. Die Heimnähe und die große Unterstützung asiatischer Schachfans scheinen zusätzliche Energie freizusetzen.
Für Magnus Carlsen verlief der Tag dagegen ungewöhnlich schwierig. Der Weltranglistenerste, der für WR Chess antritt, musste eine seltene Niederlage gegen Arjun Erigaisi hinnehmen. Besonders beeindruckend war dabei die Art und Weise, wie der indische Großmeister den Norweger unter Druck setzte und schließlich bezwang. Noch überraschender war, dass Carlsen wenig später auch gegen den Armenier Shant Sargsyan verlor. Zwei Niederlagen in Folge gehören zu den größten Ausnahmen in der Karriere des fünfmaligen Weltmeisters. Nach der zweiten Pleite verzichtete Carlsen sogar auf einen weiteren Einsatz in der achten Runde.
Während WR Chess ins Straucheln geriet, nutzte MGD1 die Gelegenheit, sich im Titelrennen festzusetzen. Das indische Team bestätigte einmal mehr die enorme Breite des Schachs auf dem Subkontinent. Mit Spielern wie Arjun Erigaisi und einer Reihe weiterer Spitzengroßmeister verfügt Indien inzwischen über mehrere Mannschaften, die auf höchstem Niveau konkurrenzfähig sind. Der Aufstieg des Landes zur Schachgroßmacht spiegelt sich auch in Hongkong eindrucksvoll wider.
Auch einzelne Spieler sorgten für Aufmerksamkeit. Der indische Großmeister Raunak Sadhwani setzte seine starke Turnierleistung fort und erreichte gegen mehrere Weltklassespieler wichtige Punkteteilungen. Nachdem er bereits am Vortag Magnus Carlsen und Ding Liren ein Remis abgenommen hatte, hielt er nun auch Arjun Erigaisi und Viswanathan Anand in Schach. Solche Ergebnisse unterstreichen seine Entwicklung zu einem der gefährlichsten Schnellschachspieler seiner Generation.
Neben den sportlichen Ereignissen zeigt die Veranstaltung vor allem die zunehmende Verlagerung des Schachzentrums nach Asien. China stellt mit Ding Liren den ehemaligen Weltmeister, Indien mit Gukesh den amtierenden Weltmeister. Hinzu kommen zahlreiche junge Spitzenkräfte aus beiden Ländern, die inzwischen regelmäßig die internationalen Turniere prägen. Die Zwischenstände in Hongkong spiegeln diese Entwicklung nahezu perfekt wider. Die Teams aus China und Indien bestimmen bislang das Geschehen, während die traditionellen europäischen Favoriten gezwungen sind, aufzuholen.
Vor den letzten vier Rapid-Runden ist die Entscheidung im Kampf um den Titel allerdings noch völlig offen. Dragon Chilling besitzt zwar die beste Ausgangsposition, doch MGD1 bleibt in Schlagdistanz. Auch Barys und einige weitere Verfolger lauern auf Ausrutscher der Spitzenreiter. Die kommenden Runden versprechen daher Hochspannung, ehe am Wochenende der Blitzwettbewerb beginnt und die Mannschaftsweltmeisterschaft in ihre entscheidende Phase geht.
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